Öffentliche und private Transfers und Unterstützungsleistungen im Alter – „crowding out“ oder „crowding in“?

Harald Künemund, Claudia Vogel

Abstract


Zusammenfassung

Der Beitrag diskutiert die Plausibilität der The¬se des „crowding out“, nach der der Ausbau sozialstaatlicher Leistungen familiale Unterstützungsleistungen und familiale Solidarität verdrängen würde. In einer theoretischen Erörterung der Motive für private intergenerationelle Unterstützungsleistungen wird herausgearbeitet, dass ein crowding out theore¬tisch zwar möglich, insgesamt betrachtet aber empirisch unwahrscheinlich ist, da gegen¬läufige Effekte des crowding in eine höhere Plausibilität haben. Mit Hilfe eines Ländervergleichs wird anschließend untersucht, ob sich die Anteile der Hilfen, die die Älteren von ihren Kindern erhalten, systematisch mit Blick auf das Niveau der wohlfahrtsstaatlichen Versorgung unterscheiden, wie es der These des crowding out entsprechen würde. Die deskriptiven empirischen Befunde sprechen jedoch ebenfalls gegen diese These.

Schlagworte: Intergenerationelle Beziehungen, familiale Unterstützung, Wohlfahrtsstaat, crowding out, crowding in

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Abstract

In this article we discuss the plausibility of the “crowding out“ hypothesis that predicts a displacement of family support in response to the expansion of the welfare state. A theoretical discussion of motives for private intergenerational transfers suggests a limited potential of crowding out. However, in sum crowding out is unlikely to occur because contradictory effects of crowding in are also probable. Using a comparative approach, we test whether the support that the elderly receive from their adult children varies systematically with the generosity in public expenditure, which is what we would expect according to the crowding-out assumption. The empirical findings contradict this hypothesis.

Keywords: Intergenerational relations, family help, welfare state, crowding out, crowding in


Literaturhinweise