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Die Separierung der Geschlechter. Ihre Relevanz für Interaktionen zwischen Geflüchteten und ehrenamtlich für sie Engagierten

Almut Zwengel

Abstract


Leseprobe

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Zusammenfassung

Interaktionen zwischen männlichen Geflüchteten und alteingesessenen Frauen werden seit den sexuellen Übergriffen in der Silvesternacht 2015 in Köln als problematisch gefasst. Hier wird ein Zugang zur geschlechterübergreifenden Interaktion gewählt, der von positiven Alltagskontakten ausgeht, nämlich der Interaktion zwischen Geflüchteten und ehrenamtlich für sie Engagierten. Leitfadengestützte Interviews mit 26 ehrenamtlich Engagierten werden in Anlehnung an die Grounded Theory analysiert. Die aus dieser Analyse heraus entwickelte Kernkategorie „Separierung der Geschlechter“ verweist vor allem auf herkunftskulturelle Zuschreibungen und/oder Sozialisation, aber auch auf weiblich dominierte Unterstützungsnetzwerke und auf geschlechtertrennende Angebote für Geflüchtete. Diese Separierung der Geschlechter führt zu Unsicherheiten bei geschlechterübergreifenden Interaktionen, insbesondere beim Umgang mit Nähe und Distanz. Das Ansetzen von kultureller Differenz wird in der Literatur skeptisch betrachtet. Kritisiert werden ein homogenisierender, statischer und deterministischer Kulturbegriff sowie die Reproduktion und Verstärkung von Vorurteilen und Stereotypen. Dennoch, in der Rekonstruktion von Interaktionen durch die befragten Engagierten spielt kulturelle Differenz eine entscheidende Rolle.

Schlüsselwörter: Geflüchtete, Ehrenamt, Zivilgesellschaft, Grounded Theory, Gender, Geschlechtertrennung

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Separation of the sexes. A key to understanding interaction between refugees and volunteers

Summary

Since the sexual assaults which occurred in Cologne on New Year’s Eve 2015, relations between the sexes have been seen as a critical aspect of how male refugees interact with local female residents. However, another perspective is possible, namely one in which both sides regard each other in a favourable light. This ought to be the case in interaction between refugees and the volunteers who support them. The analysis focuses on qualitative interviews with 26 volunteers. The principles of grounded theory were applied when analyzing the data. It turned out that the separation of the sexes is crucial to understanding this interaction. This is mainly due to the cultural background ascribed to refugees, to the mostly female networks of volunteers and professionals, and to certain activities for refugees in which the sexes are separated. One important effect of the separation of the sexes is uncertainty when it comes to interaction between them. In the field under observation, ascribed cultural difference seems to be of major importance. The dominant scientific discourse is sceptical when it comes to the concept of culture: it favours a homogenizing, static and deterministic perspective and leads to the reproduction of stereotypes and prejudices. However, ascribed cultural difference is crucial when the interviewees present and comment on their interaction with refugees.

Keywords: refugees, voluntary work, civil society, grounded theory, gender, separation of the sexes

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Bibliographie: Zwengel, Almut: Die Separierung der Geschlechter. Ihre Relevanz für Interaktionen zwischen Geflüchteten und ehrenamtlich für sie Engagierten, GENDER - Zeitschrift für Geschlecht, Kultur und Gesellschaft, 1-2019, S. 140-155. https://doi.org/10.3224/gender.v11i1.10


Literaturhinweise



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