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Machiavellis Der Fürst: Die Rezeption vor der Publikation (1513‒1532)

Martin Beckstein

Abstract


Schlüsselwörter: Machiavelli, Der Fürst, Rezeptionsgeschichte, Rezeptionstheorie

Abstract

Seit fünfhundert Jahren wird Machiavellis Der Fürst gelesen, kontrovers diskutiert und von politischen Theorien für sich in Anspruch genommen, und dies, obgleich die Schrift eigentlich erst 1532 veröffentlicht wurde. Wohl auch aufgrund dieses Umstands sind die Diskussionen über Der Fürst vor allem nach 1532 zum Gegenstand von Untersuchungen geworden, während die Rezeptionsgeschichte der Schrift in den zwanzig Jahren zwischen der ersten Erwähnung der Schrift (1513) und der Erstveröffentlichung (1532) weitgehend unbeleuchtet geblieben ist. Der vorliegende Artikel widmet sich diesem Forschungsdesiderat. Dafür werden die uns überlieferten Quellen – wie etwa Vorworte zu Manuskriptkopien, Briefwechsel und Anekdoten – systematisch ausgewertet und auch die kommentierenden Stellungnahmen Machiavellis, des ,ersten Lesers‘ von Der Fürst, berücksichtigt. Die Untersuchung zeigt, dass die frühsten Rezipienten den Deutungshorizont von Der Fürst maßgeblich verschoben und bis heute populäre Interpretationsmuster der Schrift entwickelten. Neben dem Aufzeigen der mit einer solchen Untersuchung einhergehenden methodischen Probleme bietet der Artikel eine funktionalistisch-rezeptionstheoretische Erklärung der koproduktiven Leistung der Leserschaft für die Bedeutungsgenese von Der Fürst an.

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Abstract

Machiavelli’s The Prince has been the subject of controversial debates among political theorists for five hundred years, even though, strictly speaking, The Prince was published no earlier than 1532. Probably owing to this fact, scholarship has primarily analyzed the reception of The Prince from 1532 onwards, while the reception between its first mentioning in 1513 and the first publication of the writing in 1532 has rarely been studied. The present article addresses this research gap by systematically analyzing the surviving textual sources of earliest readership, including prefaces to manuscript copies, letters and anecdotes. Additionally, the article draws on how Machiavelli himself – as the ,first reader‘ – commented on his writing. The inquiry reveals that the earliest recipients substantially adjusted the horizon of possible interpretations and supplied a number of readings of The Prince that have been handed down to the present day. In addition to providing a functional explanation of why the earliest receptions could play such an active part in producing the meaning of The Prince, this article identifies a number of methodological challenges that research on Machiavelli’s The Prince based on reception history needs to address.


Literaturhinweise



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