Sehen und Sprechen. Zum Einsatz von Bildern bei Gruppendiskussionen

Nina Degele, Kristina Kesselhut, Christian Schneickert

Abstract


Zusammenfassung

Fußball präsentiert sich gerne als moderner gesellschaftlicher Teilbereich, in dem die „einigende Kraft“ des Sports Werte wie „Fairplay, Miteinander, Zuwendung, Mitgefühl, Toleranz und Solidarität“ (bundesliga-stiftung.de) in die Gesellschaft trägt. Im Kontrast dazu ist der Alltag in deutschen Stadien jedoch oft durch Gewalt, latenten Rassismus und die massive Ausgrenzung und Diskriminierung von Frauen und Homosexuellen geprägt und zeichnet so eher das Bild einer rückständigen Bastion westlich aufgeklärter Gesellschaften. Entsprechend bietet dieses soziale Feld ein ebenso spannendes wie schwierig zugängliches Gebiet empirischer Sozialforschung. Im Forschungsprojekt Fußball intersektional untersuchen wir seit 2007 die Wechselwirkungen verschiedener Ungleichheitsstrukturen im und durch den Mikrokosmos Fußball. Bei den dabei u.a. durchgeführten Gruppendiskussionen verwendeten wir anstelle von Erzählaufforderungen visuelle Stimuli in Form eines Posters. In diesem Artikel zeigen wir in einem dreistufigen Vorgehen, dass sich der Einsatz von Bildmedien in der qualitativen Sozialforschung nicht nur dazu eignet, schwierige und sensible Themen zu thematisieren, sondern es mit Hilfe visueller Verfahren auch gelingt, dem Problem der Reifizierung, also dem unreflektierten Hineintragen alltäglicher Wissensbestände und Stereotype, entgegenzuwirken.

Schlagworte: Bilder, Fußball, Intersektionalität, Geschlecht, Reifizierung, Wissenssoziologie

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Seeing and speaking. About using images in group discussions

Abstract

Football likely presents itself as a modern subsystem of society which provides “unifying power” and values like “fairplay, cooperation, care, sympathy, broad-mindedess and solidarity” (bundesliga-stiftung.de). In contrast it can be considered as one of the most unprogressive bastions in modern Western societies due to everyday violence, the latent racism and discrimination of women and homosexuals. This ambivalence makes football a fascinating domain of empirical social research. For that purpose our research project Fußball intersektional carried out since 2007, has focused on the interaction of different inequality structures in the football microcosm. We conducted nine group discussions where we used visual stimuli in the form of a poster instead of key questions. This article shows that in qualitative social research, the use of visual media is not only appropriate when discussing difficult and sensitive topics but also an efficient means of counteracting the problem of reification, which means the introduction of preliminary considerations and personal attitudes.

Keywords: Pictures, football, intersectionality, gender, reification, sociology of knowledge


Literaturhinweise



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