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Konventionen, epistemische Werte und Kritik. Neopragmatische Perspektiven auf Sozialforschung

Rainer Diaz-Bone, Kenneth Horvath

Abstract


Leseprobe
Leseprobe 2

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Zusammenfassung

Diskussionen um die Normativität von Sozialforschung gehen häufig von der Vorannahme aus, dass Werte und Fakten einander äußerlich sind. Auf Basis (neo-)pragmatischer Überlegungen schlägt dieser Beitrag demgegenüber die Unhintergehbarkeit von Werten in der sozialwissenschaftlichen Wissensproduktion als möglichen Ausgangspunkt einer Soziologie der Sozialforschung vor. Epistemische Werte erlauben Koordination und Bewertung im Forschungsprozess. Diese Werte sind keine Frage subjektiver Vorlieben, sondern „objektiv“. Sie müssen sich im sozialen Vollzug der Forschung zur Bewältigung ungewisser Situationen bewähren und sind als historisch geformte Handlungsressourcen intersubjektiv verfügbar und kritisierbar. Die Frage nach den Werten, die Forschungsprozessen ihre Form geben, wäre damit empirisch (nicht „normativ“) zu beantworten. Diese wissenschaftsimmanenten Werte sind nicht von umfassenderen oder tiefer liegenden normativen Ordnungen zu trennen, die im Rahmen der Soziologie der Konventionen als Konventionen bezeichnet werden. Im französischen Neopragmatismus sind die sogenannten Konventionen als alltagspraktische Ressource für die Kritik und Legitimierung untersucht worden. Die Diskussion epistemischer Werte führt daher zwangsläufig zur Frage der Kritik, die ihrerseits nicht mit Bezug auf eine transzendente Wahrheit, sondern nur konkret und „realistisch“ beantwortet werden kann.

Schlagwörter: Pragmatismus, Neopragmatismus, epistemische Werte, Soziologie der Konventionen, Soziologie der Sozialforschung, reflexive Sozialforschung

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Conventions, epistemic values, and critique. Neopragmatic perspectives on social research

Abstract

Discussions about the normativity of social research often start from the assumption that values and facts are external to each other. On the basis of (neo-)pragmatic considerations, this contribution proposes the inevitability of values in the production of social science knowledge as a possible starting point for a sociology of social research. Epistemic values enable coordination and evaluation in the research process. These values are not a question of subjective preferences, but "objective". They must prove themselves in the social execution of research to cope with uncertain situations, and are available intersubjectively as historically shaped resources for action, which can be criticized. The question of the values that shape research processes would thus have to be answered empirically (not “normatively”). These values are immanent in science and cannot be separated from broader or deeper normative orders, which are called conventions in the approach of the sociology of conventions. In French neopragmatism, these conventions have been examined as everyday resources for criticism and legitimacy. The discussion of epistemic values therefore inevitably leads to the question of critique, which in turn cannot be answered with reference to a transcendent truth, but only concretely and “realistically”.

Keywords: pragmatism, neopragmatism, epistemic values, sociology of conventions, sociology of social research, reflexive social research

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Bibliographie: Diaz-Bone, Rainer/Horvath, Kenneth: Konventionen, epistemische Werte und Kritik. Neopragmatische Perspektiven auf Sozialforschung, ZQF – Zeitschrift für Qualitative Forschung, 2-2019, S. 235-251. https://doi.org/10.3224/zqf.v20i2.02


Literaturhinweise



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