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Biopolitische Kollektive. Theoretische Reflexionen zur Covid-19-Pandemie

Matthias Leanza

Volltext: PDF

Abstract


Leseprobe

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Zusammenfassung

Wie lässt sich die Covid-19-Pandemie sozialwissenschaftlich deuten? Dieser Aufsatz betrachtet im Anschluss an Michel Foucault und Bruno Latour die gegenwärtige Krise unter dem Gesichtspunkt biopolitischer Kollektive. Das Argument wird in drei Schritten entfaltet. Der erste Teil erläutert, inwiefern sowohl die Pandemie selbst als auch ihre gesellschaftlichen Folgen orthogonal zur Natur/Kultur-Unterscheidung stehen. Biologische und soziale Aspekte verschränken sich in ihnen, weshalb eine symmetrische Betrachtung erforderlich wird. Vor diesem Hintergrund diskutiert der zweite Teil das Konzept der Biopolitik. Es zeigt sich, dass das Virus in Kollektive eingetreten ist, die ein reflexives Verhältnis zur Tatsache ihrer eigenen Vitalität unterhalten und diese politisch regulieren. Der dritte Teil betrachtet Regulationsstrategien. Anhand von Contact-Tracing-Apps werden die theoretischen Überlegungen zur strategischen Unterbestimmtheit, verteilten Handlungsträgerschaft und den Grenzen biopolitischen Regierens illustriert.

Schlüsselwörter: Covid-19, Biopolitik, Pandemien, Gesundheit, Akteur-Netzwerk-Theorie

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Abstract

How does one make sense of the Covid-19 pandemic from a social science perspective? Drawing on theoretical resources from Michel Foucault and Bruno Latour, in this paper, I suggest considering the current crisis from the angle of biopolitical collectives. I develop this argument in three steps. The first section explains how the pandemic and its social ramifications cross the nature/culture divide. Biological and social aspects are intertwined, making a symmetrical approach necessary. Against this backdrop, the second section discusses the concept of biopolitics, arguing that the virus has entered collectives that entertain a reflexive relationship with their vitality, which they regulate politically. The final section examines strategies for regulating the pandemic. Using the example of contact tracing apps, I illustrate my theoretical considerations regarding strategic underdetermination, distributed agency, and the limits of biopolitical governance.

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Bibliographie: Leanza, Matthias: Biopolitische Kollektive. Theoretische Reflexionen zur Covid-19-Pandemie, ZPTh – Zeitschrift für Politische Theorie, 1-2020, S. 155-165. https://doi.org/10.3224/zpth.v11i1.14


Literaturhinweise