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Konstitutionalismus und parlamentarische Demokratie auf dem Prüfstand. Italiens Verfassung zwischen Überwindung, Erneuerung und Erhalt

Maike Heber

Abstract


Zusammenfassung

Die konstitutionelle, repräsentative Demokratie muss sich neuerdings wieder verstärkt der Behauptung von der Suprematie des Volkswillens entgegenstellen. Diese Debatte wird in Italien seit dreißig Jahren geführt und mündete in mehrere, zumeist gescheiterte Verfassungsreformen. An ihnen offenbarte sich nicht selten die schmale Grenze zwischen Systembruch und notwendiger Erneuerung, zwischen direkter Ausübung der Volkssouveränität und plebiszitärer Herrschaft. Der Reformprozess zeigt einerseits, welche Anpassungsleistung eine rigide Verfassung in der Gestaltung des demokratischen Prozesses aufbringen muss und darf, und inwieweit es andererseits einer Verfassung möglich ist, ihre Geltungsbehauptungen und ihre Dauerhaftigkeit durch Verfahren und institutionelles Gleichgewicht selbst abzusichern. Fortschreitende plebiszitäre Tendenzen, bis zu Anzeichen einer delegative democracy, ging dabei einher mit einer impliziten Erhöhung der verfassungsimmanenten Grenzen.

Schlüsselwörter: Verfassung, Demokratie, Revisionsverfahren, Parlamentarismus, delegative democracy

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Abstract

Constitutional and representative democracies are nowadays facing critics again which suggest the supremacy of the people’s will. In Italy, since at least the late 1980’s, this debate lead to several constitutional reforms, the last in 2016, undertaken by the Renzi government. Nevertheless, most of them haven’t pass the revision process yet. Those reforms are pointing out the thin line between necessary renewal and system change as well as between direct expression of the sovereign will and plebiscitarian government. On the one hand, the Italian case reveals how a rigid constitution may and has to adapt the democratic process to new requests, on the other hand, it illustrates the constitution’s ability to guarantee her prevalence and permanence, determining special procedures and institutional balance. In this process, in Italy, the advance of plebiscitarian attitudes, to the point of showing characteristics of a delegative democracy, is accompanied by tendencies to increase the constitutional restraints.

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Bibliographie: Heber, Maike: Konstitutionalismus und parlamentarische Demokratie auf dem Prüfstand. Italiens Verfassung zwischen Überwindung, Erneuerung und Erhalt, ZPTh, 2-2017, S. 159-177.
https://doi.org/10.3224/zpth.v8i2.03

Literaturhinweise



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