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Republikanischer Konstitutionalismus. Die Bewältigung der Furcht als Schlüssel zur Freiheit in Montesquieus Verfassungslehre

Karsten Malowitz, Veith Selk

Abstract


Zusammenfassung

In unserem Aufsatz nehmen wir eine Neuinterpretation von Montesquieus Verfassungslehre vor, welche die bisher vernachlässigte Bedeutung der Emotionen und insbesondere der Angst ins Zentrum rückt. Wir deuten Montesquieu als einen Vertreter der republikanischen Tradition des politischen Denkens. Ihm zufolge erschöpft sich die freiheitssichernde Funktion der Verfassung nicht in der Kontrolle der staatlichen Gewalten, sondern umfasst darüber hinaus die Aufgabe der Einhegung und Formung der menschlichen Leidenschaften. Sein besonderes Augenmerk gilt hierbei der Bewältigung der Furcht. Wir rekonstruieren zunächst Montesquieus Typologie der Regierungsformen. In einem zweiten Schritt arbeiten wir heraus, welche politisch relevanten Formen der Angst Montesquieu unterscheidet und in welchem Zusammenhang sie zu diesen Regierungsformen stehen. Anschließend erörtern wir Montesquieus normatives Ideal eines freiheitlichen Gemeinwesens, das auf die konstitutionelle Einhegung der Furcht durch institutionelle Kontrollen politischer Macht, die Entlastung von Tugendanforderungen und die Ermöglichung einer kollektiv handlungsfähigen Bürgerschaft abzielt. Im letzten Abschnitt unseres Aufsatzes fragen wir nach der aktuellen Relevanz von Montesquieus Überlegungen und skizzieren Anknüpfungspunkte für eine zeitgenössische republikanische Theorie.

Schlüsselwörter: Angst, Emotionen, Freiheit, Furcht, Gewaltenteilung, Konstitutionalismus, Montesquieu, Republikanismus, Verfassung

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Abstract

In our paper we propose a new reading of Montesquieu’s constitutional theory, focusing on the commonly neglected relevance of the emotions, and fear in particular. We interpret Montesquieu as a representative of the republican tradition of political thought, for whom the constitution, in order to secure freedom, not only needs to enforce the division of powers, but also has to allow for the political channelling and forming of the human passions, first and foremost of fear. In order to show this we start by reconstructing Montesquieu’s typology of governments. Thereafter, we work out his pattern of the different politically relevant forms of fear and illustrate their relation to these types of government. Afterwards we trace out Montesquieu’s normative ideal of a free polity. It is characterized by the taming of fear, the division of powers, and an active, though not virtuous citizenry. In the final part of our paper we discuss the ongoing relevance of Montesquieu’s thought and sketch several links to contemporary republican theory.

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Bibliographie: Malowitz, Karsten/Selk, Veith: Republikanischer Konstitutionalismus. Die Bewältigung der Furcht als Schlüssel zur Freiheit in Montesquieus Verfassungslehre, ZPTh, 1-2014, S. 31-50.
https://doi.org/10.3224/zpth.v5i1.16652

Literaturhinweise



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