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Gegen den Mainstream – Leitbilder zu Kinderlosigkeit und Kinderreichtum zur Erklärung der Abweichung von der Zweikindnorm

Sabine Diabaté, Kerstin Ruckdeschel

Abstract


Zusammenfassung

Seit Jahrzehnten dominiert in der Bundesrepublik Deutschland das Leitbild der Zweikindfamilie. Dennoch gibt es Menschen, die von diesem Mainstream abweichen: Sie entscheiden sich bewusst gegen Kinder, für ein Einzelkind oder aber für drei oder mehr Kinder. Solche Paritätsunterschiede werden seit langem untersucht, jedoch selten unter Einbezug kultureller Vorstellungen zum Leben ohne oder mit vielen Kindern. Anhand der Daten des Leitbildsurveys wird für junge Erwachsene im reproduktiven Alter gezeigt, dass kulturelle Idealvorstellungen einen zusätzlichen Erkenntnisgewinn zur Normabweichung liefern und dass Abweichler eine soziale Stigmatisierung wahrnehmen. Zudem überstrahlt bei der Kinderwunschparität von vier und mehr Kindern die hohe intrinsische Motivation alle ökonomischen und strukturellen Aspekte. Bei Kinderlosen zeichnet sich – im Vergleich zu den anderen Normabweichlern am stärksten – eine wahrgenommene Diskrepanz zur Mehrheitsgesellschaft ab. Sie weist möglicherweise auf sozialen Druck hin, sich zu rechtfertigen oder sogar der Norm zu entsprechen. Entgegen der in der Literatur vertretenen These der „Kultur von Kinderlosigkeit“ besteht die verbreitete Ansicht, dass Kinderlosigkeit zwar „normal“ sei, jedoch selten erstrebenswert im Sinne eines Ideals. Außerdem haben sich trotz der dominanten Zweikindnorm weitere Familienmilieus etabliert.

Schlagwörter: Familienleitbild, Zweikindnorm, Zweikindfamilie, Einkindfamilie, Mehrkindfamilie, value of children, Paritäten, Fertilität, Familiengründung, Familienerweiterung, Kinderreichtum, Kinderlosigkeit, Stigmatisierung, sozialer Druck

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Abstract

For decades, the ideal of a two-child family has been predominant in Germany. Nevertheless, there are people who deviate from this mainstream, taking the informed decision not to have any children at all, to have only one child or, alternatively, to have three or more children. Such differences in the number of children have long been examined, however, cultural concepts of having either lots of or no children at all, have rarely been included. The data collected in the survey “Familienleitbilder” reveals that in young adults in reproductive age, existing cultural conceptions provide new insights into the phenomenon of deviation from the norm, deviators being subject to social stigmatization. Moreover, in case of families with four and more children, a high degree of intrinsic motivation outshines all economic and structural aspects. In childless people - even more than in comparison to other groups - a discrepancy with respect to the majority becomes apparent, potentially suggesting a pressure to justify oneself to society or even to comply with the mainstream. In contrast to the advocated thesis in literature, childlessness is indeed commonly regarded as “normal”, however, rarely as desirable in terms of an ideal. Furthermore, despite the dominant two-child-norm, other family milieus have been established.

Keywords: cultural concepts of family, two-child ideal, two-child family, one-child family, large families, value of children, parities, fertility, family formation, family extension, childlessness, stigmatization, social pressure

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Bibliographie: Diabaté, Sabine/Ruckdeschel, Kerstin: Gegen den Mainstream – Leitbilder zu Kinderlosigkeit und Kinderreichtum zur Erklärung der Abweichung von der Zweikindnorm, ZfF, 3-2016, S. 328-356.
https://doi.org/10.3224/zff.v28i3.26044

Literaturhinweise



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