10 Jahre Bürgerhaushalte in Deutschland: eine Bilanz

Carsten Herzberg

Abstract


Zusammenfassung

Der Beitrag gibt eine Übersicht über die Entwicklung eines besonderen Verfahrens der Bürgerbeteiligung, den Bürgerhaushalt. Aus Lateinamerika kommend, wo das Instrument auch für eine politische Vision der Basisdemokratie und der sozialen Gerechtigkeit steht, hat es in Europa unterschiedliche Formen angenommen. So wird in Deutschland versucht, Partizipation und Verwaltungsmodernisierung miteinander zu verbinden. Die Ende der 1990er Jahre von überparteilichen Akteuren eingeführten Verfahren hatten deshalb vor allem zum Ziel, Bürger über die Kommunalfinanzen zu informieren und beinhalteten eine strikt konsultative Beteiligung, die als „selektives Zuhören“ bezeichnet wird. Später erhielten die Bürgerhaushalte mehr Verbindlichkeit und wurden auch auf das Internet ausgedehnt. Als Ergebnis ist festzuhalten, dass die hiesigen Verfahren trotz ihrer Ausrichtung wenig Modernisierungseffekte vorzuweisen haben, ihre Stärken liegen vielmehr in der politischen Bildung und in der Verbesserung der Kommunikation zwischen den Bürgern und der Verwaltung/Politik. Eines der Haupthindernisse liegt darin, dass für die politisch Verantwortlichen der Bürgerhaushalt zu einem großen Teil symbolische Politik ist; auch fehlt es an einem bundesweit zivilgesellschaftlichen Akteur, der Druck ausüben könnte.

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Participatory budgeting in Germany: 10 years of experience

Abstract

This article gives an overview about a special instrument of citizen participation in Germany called participatory budgeting. Invented in the Brazilian city of Porto Alegre, where the procedure was linked to grassroots democracy and social justice, participatory budgeting appeared in Europe in very different ways. In Germany the promoters tried to link administrative modernisation with participation. For this reason the procedures informed citizens on public budget spending meanwhile the dimension of consultation was relatively weakly developed. During the last years, the methodology has become more binding and also internet has been used. But in the end, after 10 years of experience the effects of modernisation are quite limited. The participatory budgets in Germany are more important for political education of citizens and for bettering their relation to public administration and politicians. One of the main problems of a more effective procedure consists of the fact that German local authorities do not see a clear function of this instrument which would go beyond symbolic politics. Also, a grassroots movement is missing, which could shape the procedure and give participatory budgeting a deeper meaning.

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Bibliographie: Herzberg, Carsten: 10 Jahre Bürgerhaushalte in Deutschland: eine Bilanz, JB StadtRegion, 1-2010, S. 105-117.


Literaturhinweise



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