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Für „ein unabhängiges visuelles Denken“. Zur Kunst- und Kultursoziologie des peruanisch-mexikanischen Theoretikers Juan Acha

Jens Kastner

Volltext: PDF

Abstract


Leseprobe

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Zusammenfassung

Wie die Kunstproduktion mit der sie umgebenden Kultur verknüpft ist und wie sich beide gegenseitig beeinflussen, ist eine zentrale Fragestellung für die – nicht nur soziologisch motivierte – Kunst- und Kulturtheorie. Die Antworten des in Peru geborenen Kunstkritikers und Kulturtheoretikers Juan Acha (1916-1995) auf diese Frage machen sein Werk zu einem außerordentlichen Beitrag zu der disziplinübergreifenden Debatte um Kunstproduktion und Kultur, der im deutschsprachigen Raum bisher nicht wahrgenommen wurde. Denn Acha gibt diese Antworten vor dem Hintergrund einer präzisen Kenntnis globaler kunsttheoretischer Debatten einerseits und einer besonderen Berücksichtigung der lateinamerikanischen Situation andererseits, in der die kolonialen Grundlagen von Ökonomie und Kultur besonders betont werden. Die zentralen Thesen Achas einem deutschsprachigen Publikum zugänglich zu machen, ist das primäre Ziel dieses Textes. Der Aufsatz beansprucht darüber hinaus, über die Diskussion des Spannungsverhältnisses, das sich im Werke Acha auftut, die Relevanz seines Werkes für heutige Debatten aufzuzeigen: Es handelt sich um die Spannung zwischen einer empirisch-theoretischen Einsicht in die reproduktive Funktion von Kunst auf der einen Seite und die emanzipatorischen Hoffnungen, die auf künstlerische Praktiken zugleich und trotzdem gesetzt werden andererseits. Der Text geht in fünf Schritten vor: Erstens wird das grundlegende Plädoyer Achas für eine Soziologie der Kunst und der dabei zentrale Begriff des no-objetualismo vorgestellt. Zweitens wird die Besonderheit von Achas Ansatz gegenüber anderen, vergleichbaren theoretischen Herangehensweisen an die Kunst herausgestrichen, die in der Bedeutung liegt, die Acha dem Kolonialismus einräumt. Mit dessen analytischer Bedeutung geht die normative Hinwendung zu einer Redefinition der Kunst einher. Drittens wird Achas Fokus auf den ästhetischen Konsum nachgezeichnet und seine relationale Methode skizziert, um dann viertens näher auf das politische Engagement einzugehen. Fünftens wird der Einfluss von Achas Werkes auf andere TheoretikerInnen und auf die künstlerischen Bewegungen seiner Zeit skizziert.

Schlagwörter: Kunstsoziologie, Kulturtheorie, ästhetischer Konsum, Kunst und Politik, künstlerische Bewegungen

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For “independent visual thinking”. On the sociology of the art and culture of Peruvian-Mexican theorist Juan Acha

Abstract

How art production is linked to the culture surrounding it and how the two influence one another is a central question for the theory of art and culture. Peruvian-born art critic and cultural theorist Juan Acha (1916-1995) approaches this question through engagement with global art theoretical debates while paying special consideration to the Latin American situation, in which the colonial foundations of economy and culture are particularly emphasised. While Acha has made an extraordinary contribution to the interdisciplinary debate on the relationship between art production and culture, his contribution has yet to become known in the German-speaking world. The primary aim of this article is to make Acha's central theses accessible to a German-speaking audience. In so doing, the article demonstrates the relevance of Acha's work for contemporary debates through a discussion of the central tension that arises in his work: the relationship between his empirical-theoretical insights into the reproductive function of art, on the one hand, and the emancipatory hopes that are nevertheless placed on artistic practices, on the other hand. The text proceeds in five steps: first, Acha’s fundamental plea for a sociology of art and his central concept of no-objetualismo are presented; second, through a comparison with other theoretical approaches, the specificities of Acha's approach, which lies in the significance he gave to colonialism and the normative turn in redefining art, are emphasized; third, Acha's focus on aesthetic consumption is traced and his relational method sketched out; forth, Acha’s political commitment is examined more closely; and, finally, fifth, the influence of Acha's work on other theorists and on the artistic movements of his time is highlighted.

Keywords: sociology of art, cultural theory, aesthetic consumption, art and politics, artistic movements

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Bibliographie: Kastner, Jens: Für „ein unabhängiges visuelles Denken“. Zur Kunst- und Kultursoziologie des peruanisch-mexikanischen Theoretikers Juan Acha, PERIPHERIE – Politik • Ökonomie • Kultur, 1+2-2020, S. 155-174.


Literaturhinweise