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Im Strom der Entwicklung. Was Eduardo Gudynas‘ Konzept des Postextraktivismus von den Betroffenen eines Stauseeprojekts in Chile lernen kann

Cora Rebecca Puk

Abstract


Leseprobe

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Zusammenfassung

Weltweit werden im Namen „der Entwicklung“ Infrastrukturprojekte realisiert, die darauf abzielen, zumindest Teilen der Bevölkerung des Globalen Südens ein an westlichen Standards gemessenes „gutes Leben“ zu ermöglichen. Dies geschieht jedoch sowohl auf Kosten der lokalen Bevölkerung und deren Lebensweisen als auch auf Kosten der Natur. Denn nur durch die Ausweitung des in Lateinamerika seit Jahrzehnten intensivierten Extraktivismus scheint diese „Entwicklung“ möglich. Im Rahmen des Konzepts des „Postextraktivismus“ entstand in den letzten Jahren eine Debatte innerhalb Lateinamerikas, die eine Alternative zu dieser Entwicklung zu skizzieren versucht. Der Artikel fasst zusammen, wie das Konzept des Postextraktivismus nach Gudynas durch das Einbeziehen der Vorstellungen und Ideen lokaler Bevölkerungsgruppen bereichert werden könnte. Das Stauseeprojekt, das im südlichen Chile zu der Enteignung zahlreicher Familien in der Andenregion führte, wird seitens der Regierung(en) mit dem Verweis auf die Notwendigkeit für die Entwicklung des ländlichen Raums legitimiert. Im November 2018 wurden die ersten Häuser der Betroffenen zwangsgeräumt und zerstört. Obwohl dies inzwischen seitens der Justiz als illegal angesehen wird, herrscht in der Gemeinde nach wie vor ein Klima der Unsicherheit. Der Artikel reichert das Konzept des Postextraktivismus um Erkenntnisse aus der Empirie an, welche die Autorin durch ihre Feldforschung 2017 erheben konnte.

Schlagwörter: Chile, Wasser, Postextraktivismus, sozial-ökologischer Konflikt, Enteignung, Vertreibung

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High Tide Development. What Gudyna’s Concept of Post-Extractivism Can Learn from Those Affected by a Dam Project in Chile

Abstract

In the name of “development”, infrastructure projects are being implemented all over the world. In the “Global South”, they aim to enable at least parts of the population to enjoy a “good life” measured by Western standards. However, this happens at the expense of the local population, their lifestyles, as well as the surrounding nature. For decades, the expansion and intensification of extractivism has been presented as the only way to achieve “development” in Latin America. Nevertheless, within the framework of the concept “post-extractivism”, in recent years a debate has arisen in Latin America that attempts to outline an alternative to this “development”. This article summarizes how Gudynas’ concept of post-extractivism could be enriched by incorporating the imaginaries and ideas of local communities; it focuses on a large-scale dam project in southern Chile and draws upon fieldwork with affected communities done in 2017. The dam project, which led to the expropriation of land from many families, has been legitimized by the government with reference to the need for rural development. In November 2018, the first people affected were evicted from their homes, which were then destroyed. Although this is now considered illegal by the judiciary, there is still a climate of insecurity in the community.

Keywords: Chile, water, postextractivism, social-ecological conflict, expropriation, displacement

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Bibliographie: Puk, Cora Rebecca: Im Strom der Entwicklung. Was Eduardo Gudynas‘ Konzept des Postextraktivismus von den Betroffenen eines Stauseeprojekts in Chile lernen kann, PERIPHERIE – Politik • Ökonomie • Kultur, 2-2019, S.244-263. https://doi.org/10.3224/peripherie.v39i2.06


Literaturhinweise



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