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Zeit und Raum. Prognosen des globalen Wandels und der Überwindung des Kapitalismus

Wolfgang Hein

Abstract


Zusammenfassung

Das Kommunistische Manifest wird als eine weitsichtige Prognose kapitalistischer Globalisierung angesehen. Andererseits haben sich anti-kapitalistische Revolutionen ganz anders entwickelt als vom Manifest erwartet. Der Kapitalismus hat sehr viel flexibler als angenommen auf die Herausforderungen sowohl seiner eigenen Dynamik als auch der Russischen und Chinesischen Revolution reagiert. Der Autor vertritt die These, dass vor allem die Vernachlässigung der Wechselbeziehungen zwischen Zeit und Raum diesen Fehlprognosen zugrunde liegen. Nach einer Übersicht über Ansätze der Prognose des sozialen und politischen Wandels (einschließlich Futurologie und Utopien), diskutiert er die Rolle von Prognosen in der globalen Umweltpolitik, ausgehend von einer umfassenden Studie der US-Regierung (Global 2000). Angesichts fehlender transformativer Visionen, wendet er sich der kritischen Kapitalismusanalyse zu und fasst die Beziehungen zwischen der Vision des Kommunistischen Manifestes, dem Wandel revolutionärer Konzepte und ihres Scheiterns zusammen. In seiner Vorhersage nationaler Revolutionen unterschätzte Marx den Wandel globaler Raumstrukturen im Verlaufe kapitalistischer Entwicklung, die zu einer Vertiefung der Globalisierung und zum Entstehen einer Arena globaler Politik führten. Die Regulationstheorie hat die Abfolge spezifischer Phasen kapitalistischer Akkumulation analysiert. Diese Entwicklung wird jedoch in jüngster Zeit von einer wachsenden Resilienz der Nationalstaaten begleitet, wobei Profite aus der ungleichen Entwicklung eine Quelle der Finanzierung sozialer Kompromisse in den fortgeschrittensten und mächtigsten Ländern darstellen. Schließlich stellt eine massive internationale Migration die Prinzipien einer globalen Kapitalmobilität und einer nationalen Kontrolle der Mobilität von Arbeitskräften in Frage. Während die globale politische Fragmentierung in vielerlei Hinsicht im Konflikt mit Menschenrechtsnormen und dem Kampf gegen den Klimawandel steht, stärkt eben diese Fragmentierung die nationale Identifizierung vieler Bürger im Globalen Norden. Das Schlusskapitel diskutiert die Probleme von Prognosen über die Zukunft des Kapitalismus sowie konkrete Utopien einer postkapitalistischen Gesellschaft vor dem Hintergrund von Konflikten zwischen einem humanitären und ökologischen Globalismus und der Resilienz nationaler Egoismen im Globalen Norden.

Schlagwörter: Prognose, Produktivkräfte und Produktionsverhältnisse, Wechselbeziehungen zwischen Zeit und Raum, Überwindung des Kapitalismus, Transformationen des Kapitalismus, Globalisierung, Resilienz des Nationalstaats

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Time and Space. Predictions of Capitalist Development and its Overcoming

Abstract

While the Communist Manifesto is seen as a lucid prediction of capitalist globalisation, anti-capitalist revolutions have not followed its expectations. Capitalism has proven to be able to react very flexibly to the challenges produced by its own dynamics and to those posed by the Russian and Chinese Revolutions. The author postulates that the neglect of interactions between time and space (and related power structures) constitutes an important source of errors in predictions on the trajectory of capitalism. After summarising ways of predicting social and political change (including future studies and utopias), the role of predictions in global environmental politics is discussed, starting with a comprehensive study from the US Government (Global 2000). Highlighting the lack of transformative visions, the author turns to a critical analysis of capitalism, focusing on the relationship between the Communist Manifesto’s vision and changes in revolutionary concepts and their failures. In his prediction on national revolutions, Marx underestimated the change in global spatial structures in the course of capitalist development, which led to a deepening of globalisation and to an arena of global politics. The theory of regulation has analysed a succession of specific phases of capitalist accumulation. In more recent times, however, this has been accompanied by the growing resilience of nation states, related to profits from uneven development, as a source of strengthening social compromises in the most advanced and powerful countries. Finally, mass migration undermines the principles of global capital mobility and national control of the ,mobility of labour (linked to sovereignty). While the political fragmentation of the globe contrasts with human rights norms and the fight against climate change, this fragmentation is strengthening many citizens’ national identification in the Global North. The article concludes by discussing the difficulties of predicting the future of capitalism and concrete utopias of a post-capitalist society against the background of conflicts between a humanitarian and ecological globalism and the resilience of national egotisms in the Global North.

Keywords: forecasts, productive forces and relations of production, timespace relations, overcoming of capitalism, transformations of capitalism, globalization, resilience of the nation state

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Bibliographie: Hein, Wolfgang: Zeit und Raum. Prognosen des globalen Wandels und der Überwindung des Kapitalismus, PERIPHERIE – Politik • Ökonomie • Kultur, 3-2018, S. 378-415.
https://doi.org/10.3224/peripherie.v38i3.02

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