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Die Yasuní-ITT-Initiative zehn Jahre später. Entwicklung und Natur in Ecuador heute

Pedro Alarcón, Katherine Rocha, Simone Di Pietro

Abstract


Leseprobe

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Zusammenfassung

Seit 1972 spielt Erdöl eine zentrale Rolle in der Wirtschaft und Gesellschaft Ecuadors sowie im Diskurs über Bedeutungen von Natur und Entwicklung. Die Ölschocks des 20. Jahrhunderts (1973 und 1979) bewirkten eine weltweite Erhöhung der Rohölpreise, die den exportierenden Ländern zugutekamen und zu Optimismus im Hinblick auf die Rolle der Natur im Modernisierungsprojekt Ecuadors führte. Als der Rohstoffboom des 21. Jahrhunderts (2003-2014) Ecuador erreichte, hatte die Umweltbewegung bereits einen gewissen Einfluss im politischen Raum gewonnen und begleitete eine sich selbst fortschrittlich nennende Koalition, um die Präsidentschaftswahlen von 2006 zu gewinnen. Buen vivir war zentral im Entwicklungskonzept der neuen Regierung. Die 2007 gestartete Yasuní-ITT-Initiative verkörperte mit dem Verbot, Öl in bio-diversen und ökologisch sensiblen Räumen wie dem Yasuní-Nationalpark im ecuadorianischen Amazonien zu fördern, die ökologische Dimension von buen vivir. Die Regierung beendete die Initiative im Jahr 2013 und plädierte dafür, die Rendite aus den natürlichen Ressourcen für den Kampf gegen die Armut zu verwenden. Die Ankündigung, die Initiative zu beenden, enthüllte gegensätzliche Bedeutungen von Natur und Entwicklung auf Seiten des Staates einerseits und der Gesellschaft andererseits und bot die Möglichkeit, die neo-developmentalistische Strategie in Frage zu stellen.

Schlagwörter: Lateinamerika, Yasuní, buen vivir, Neo-Extraktivismus, Öl, Natur, Entwicklung

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The Yasuní-Itt Initiative Ten Years On. Development and Nature in Contemporary Ecuador.

Abstract

Since 1972 oil has been essential for Ecuador’s economy and society, and has also played a central role in the construction of different meanings of “development” and “nature”. The 20th Century’s global oil shocks (1973 and 1979) provoked a worldwide increase in crude oil prices, benefiting oil exporting countries. In Ecuador this triggered optimism about the role of nature in the country’s modernisation project. As the commoditiesboom of the 21st Century (2003-2014) reached Ecuador, the environmental movement already exerted a certain degree of influence over the political arena. The environmental movement supported a self-styled progresista coalition, which won the 2006 presidential election. buen vivir was central to the new government’s development proposal. Launched in 2007, the Yasuní-ITT initiative epitomised the ecological dimension of buen vivir. This initiative prohibited the extraction of oil in the biologically diverse and culturally sensitive territories of the Yasuní National Park in the Ecuadorian Amazonia. Yet the Government terminated the initiative in 2013, pledging to use the rent from natural resources to fight poverty. The announcement of the initiative’s termination unveiled the antagonist meanings of “development” and “nature” held by the state and society, and raised the potential to question the neo-developmentalist strategy.

Keywords: Latin America, Yasuní, buen vivir, neo-extractivism, oil, nature, development

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Bibliographie: Alarcón, Pedro/Rocha, Katherine/Di Pietro, Simone: Die Yasuní-ITT-Initiative zehn Jahre später. Entwicklung und Natur in Ecuador heute, PERIPHERIE, 1-2018, S. 55-73.
https://doi.org/10.3224/peripherie.v38i1.03

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