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Politische Strategien des buen vivir. Sozialistische Regierungspolitik, indigene Selbstbestimmung und Überwindung des wachstumsbasierten Entwicklungsmodells

Timmo Krüger

Abstract


Leseprobe

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Zusammenfassung

Die Forderung nach buen vivir geht auf dekoloniale Kämpfe in Bolivien und Ecuador zurück. Gleichzeitig prägen transnationale Prozesse die Entwicklung des Konzepts und tragen zu seiner Wirkmächtigkeit bei. Im Kontext dieser vielschichtigen Wechselbeziehungen verfolgen die Protagonist_innen des buen vivir unterschiedliche skalare Strategien. Für die indigenen Organisationen steht buen vivir in einem engen Zusammenhang mit der Verteidigung ihres Territoriums und der Bewahrung der indigenen Kultur. Sie konzentrieren sich auf regionale und überregionale (bis hin zur kontinentalen) Vernetzungsarbeit und agieren zusätzlich auf zentralstaatlicher Ebene, um weitergehende Selbstbestimmungsrechte für die indigenen Gemeinden zu erwirken. Dagegen plädieren die in der Wissenschaft und in politischen Stiftungen tätigen lateinamerikanischen und europäischen Intellektuellen für eine diskursive Öffnung des Konzepts, um buen vivir auch in internationalen und transkontinentalen Arenen als Alternative zum wachstumsbasierten Entwicklungsmodell etablieren zu können. Vor diesem Hintergrund stellt sich die Frage, ob die diskursive Öffnung des buen vivir emanzipatorische Prozesse stärkt und deshalb forciert werden sollte oder ob die damit verbundene tendenzielle Entleerung des Begriffs im Gegenteil zu einer Schwächung der Mobilisierungsfähigkeit sozialer Bewegungen führt. Der Autor vertritt die These, dass die Debatten um die Vor- und Nachteile einer explizit indigenen vs. einer pluralistischen Ausrichtung des buen vivir nicht sehr virulent werden und auch nicht zu Brüchen innerhalb des Bewegungsspektrums führen werden, solange die Hauptkonfliktlinie zwischen Unterstützer_innen und Kritiker_innen der bolivianischen und ecuadorianischen Regierungen verläuft.

Schlagwörter: Bolivien, buen vivir, Ecuador, Politics of Scale, Post-Development, soziale Bewegungen

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Political Strategies of buen vivir. Socialist Government Policy, Indigenous Self-Determination and Overcoming the Growth-Based Development Model

Abstract

While the claim for buen vivir goes back to de-colonial struggles in Bolivia and Ecuador, transnational processes have also influenced buen vivir’s development and contributed to its impact. In this context of complex correlations, the protagonists of buen vivir pursue diverse strategies on different scales. Indigenous organisations link the concept of buen vivir with the defence of their territory and the conservation of their culture. They focus on regional and trans-regional (up to continental) cooperation, as well as operate at the level of central government in order to achieve greater indigenous rights for self-determination. Conversely, Latin American and European intellectuals (working in science or for political foundations) advocate for a discursive opening of the concept. Their aim is to establish buen vivir in international and transcontinental arenas as an alternative to growth-based development models. Against this background the question arises as to whether a discursive opening of Buen Vivir strengthens emancipatory processes and therefore should be supported, or whether, on the contrary, the associated emptying of the signifier weakens the mobilisation capacities of social movements. The author argues that the debates regarding the advantages and disadvantages of an explicitly indigenous or pluralistic alignment of buen vivir will not escalate and cause splits within social movements so long as the main line of conflict runs between the supporters and the critics of the Bolivian and Ecuadorian governments.

Keywords: Bolivia, buen vivir, Ecuador, Politics of Scale, post-development, social movements

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Bibliographie: Krüger, Timmo: Politische Strategien des buen vivir. Sozialistische Regierungspolitik, indigene Selbstbestimmung und Überwindung des wachstumsbasierten Entwicklungsmodells, PERIPHERIE, 1-2018, S. 29-54. https://doi.org/10.3224/peripherie.v38i1.02


Literaturhinweise



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