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Annäherungen an eine Kritische Theorie des Rassismus

Ulrike Marz

Abstract


Leseprobe

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Zusammenfassung

Der Artikel umreißt Elemente einer Kritischen Theorie des Rassismus in der Tradition Horkheimers und Adornos mit besonderem Fokus auf die Verbindung von warenproduzierender Gesellschaft und ihr entsprechender Formen des Bewusstseins. Im Fokus steht die Frage, ob die autoritäre Persönlichkeit als ein prototypisches Ergebnis der kapitalistischen Sozialform auch heute noch analysiert werden kann. Eine Darstellung der Verschiebungen und Zuspitzungen in der neoliberalen warenproduzierenden Gesellschaft zeigt, dass sich sowohl die Subjektkonstitution wie auch die Form des Rassismus verändert haben. Soziale Veränderungen und Verschiebungen in der Subjektkonstitution verlangen eine Modifikation des ursprünglichen Konzeptes der autoritären Persönlichkeit insbesondere in Hinblick auf seine Entstehung. Vier Aspekte verweisen auf solch eine notwendige Modifikation: (1) eine substantielle, aber nicht kategoriale Verschiebung von der »Rasse« zur Kultur in der rassistischen Argumentation, (2) eine zunehmende Selbst-Führung und Selbstinszenierung der Subjekte, (3) die untergeordnete Bedeutung eines konkreten »Führers« und (4) die abnehmende Bedeutung der patriarchalischen Kleinfamilie. Wirksam wird Rassismus heute vor allem im Rahmen einer konformistischen Revolte, in dem eine »konformistisch-egoistische Persönlichkeit« agiert.

Schlagwörter: Rassismus, Kritische Theorie, Krise, autoritäre Persönlichkeit, Soziologie

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Abstract

In the tradition of Horkheimer and Adorno, this article outlines elements of a critical theory of racism dealing with the connection of commodity producing society and its respective forms of consciousness. It is concerned with the question: to which extent can the authoritarian personality, as a prototypical result of the capitalistic social form, be currently analysed? The displacements and aggravations found in neoliberal commodity producing society show that the subject’s constitution and forms of racism have changed. Such shifts in the subject’s constitution call for a modification of the original concept of the authoritarian personality, especially in respect to its formation. Four aspects indicate such a necessary modification: (1) a substantial but not categorical displacement from “race” to culture in the racist argumentation; (2) the increasing self-guidance and showmanship of subjects; (3) the subordinate importance of personal leadership; and, (4) the decreasing importance of the patriarchal nuclear family. It is in the frame of a conformist revolt of a “conformist-selfish personality” that racism is most powerful in Germany today.

Keywords: racism, Critical Theory, crisis, authoritarian personality, sociology

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Bibliographie: Marz, Ulrike: Annäherungen an eine Kritische Theorie des Rassismus, PERIPHERIE, 2-2017, S. 250-270. https://doi.org/10.3224/peripherie.v37i2.06


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