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Pixação – Differenz, Säuberungspolitiken und Widerstand in „Global City“ São Paulo

Paul Schweizer, Paula Larruscahim, Fabio Vieira

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Abstract


Zusammenfassung

In den letzten Jahren ist Brasilien als aufsteigende oder wachsende Ökonomie diskutiert worden. Vor allem São Paulo spielt eine zentrale Rolle in diesen Entwicklungsnarrativen. Dabei wird die Stadt als ökonomischer Motor und als Insel der Modernität im Land und in ganz Lateinamerika dargestellt. Doch die Politiken, die darauf abzielen, São Paulo als globale Stadt oder als Weltstadt zu konsolidieren, vertiefen Ungleichheiten und Exklusionen. Nichtsdestoweniger sind diese Politiken mit visuellen Interventionspraktiken in öffentlichen Räumen konfrontiert, die nicht mit modernen, europäisch-amerikanischen Imaginationen über oder Standards einer Kapitalhauptstadt zusammenpassen. Pixação ist ein typischer Graffiti-Stil in Brasilien. Er wurde ursprünglich in den 1980er Jahren von Jugendlichen in São Paulo praktiziert. Obwohl diese Zeichnungen, die sich überall auf Fassaden in brasilianischen Städten finden, generell keinen bestimmten politischen Inhalt aufweisen, diskutieren die AutorInnen pixação als alltägliche Widerstandspraxis im Kontext von räumlicher Segregation und repressiver Kontrolle des öffentlichen Raums. Ferner beziehen sie sich auf jüngere Fälle, in denen pixadores in breitere soziale Auseinandersetzungen involviert waren, wobei sie ihre Techniken und ihr Wissen zu einem fruchtbaren Werkzeug sozialer Bewegungen machten. Schließlich zeigen sie auf, dass Graffiti-Sprayer_innen kürzlich diese Techniken in europäischen Städten übernommen haben. So legen sie dar, dass multidirektionaler Wissensaustausch, den die post-koloniale Stadttheorie einfordert, auf dem Feld visueller Interventionen im öffentlichen Raum bereits praktiziert wird.

Schlagwörter: widerständige Alltagspraxis, Pixação, São Paulo, postkoloniale Stadtforschung, visuelle Intervention im öffentlichen Raum, Graffiti

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Pixação – Difference, Cleansing Policies and Resistance in ‘Global City’ São Paulo

Abstract

In recent years, Brazil has been discussed as an emergent or booming economy. São Paulo plays a central role in these development narratives, being presented as the country’s economic powerhouse and an island of modernity within Brazil and Latin America. Policies aiming to consolidate São Paulo’s global or world city-ness deepen inequalities and exclusions. Nevertheless, these policies are confronted with visual intervention practices in public spaces that do not fit modern Euro-American business capital imaginaries and standards. Pixação is a typical style of graffiti found in Brazilian cities, originally practiced by youth in São Paulo in the 1980s. Though the signatures, spread across Brazilian cities’ façades, generally do not contain any explicit political content, we discuss pixação as an everyday practice of resistance in the context of spatial segregation and the repressive policing of public space. Furthermore, we refer to recent cases of pixadores getting involved in broader social struggles, making their techniques and knowledge prolific instruments  for social movements. Finally, we show that practitioners in European cities have recently adopted these techniques. Thus, we argue that the multidirectional knowledge exchange claimed by post-colonial urban theory is being practiced in the field of visual interventions in public space.

Keywords: resistant everyday practice, pixação, São Paulo, post-colonial urban studies, visual intervention in public space, graffiti

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Bibliographie: Schweizer, Paul/Larruscahim, Paula/Vieira, Fabio: Pixação – Differenz, Säuberungspolitiken und Widerstand in „Global City“ São Paulo, PERIPHERIE, 1-2016, S. 33-55.
https://doi.org/10.3224/peripherie.v36i141.22864

Literaturhinweise