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Transnationale Strategien der Gewerkschaften im europäischen Metallsektor: Ansätze zur Europäisierung der Lohnpolitik

Vera Glassner, Susanne Pernicka

Abstract


Zusammenfassung

Dieser Artikel beschäftigt sich mit transnationalen Gewerkschaftsstrategien im Feld der Lohnpolitik und adressiert zwei bislang in der Literatur ungeklärte Fragen: (1) Wie kann grenzüberschreitende Kooperation zur Errichtung von Normen tariflicher Koordinierung unter wenig förderlichen Bedingungen erklärt werden? (2) Warum verhalten sich Gewerkschaften in kleinen, exportorientierten Ländern kooperativ, obwohl Konkurrenz, das heißt eine Unterbietung der Lohnabschlüsse in größeren Ländern, die zweckrationale Strategie wäre? Unter Bezugnahme auf neuere Ansätze des soziologischen Neoinstitutionalismus wird ein theoretischkonzeptioneller Rahmen vorgeschlagen und am Beispiel des europäischen Metallsektors diskutiert. Die zentrale Schlussfolgerung lautet: Transnationale Gewerkschaftsstrategien in der Lohnpolitik erfordern neben begünstigenden strukturellen und organisationsbezogenen Bedingungen, wie ein hoher Grad an Integration der Unternehmen in globale Produktions- und Wertschöpfungsketten sowie hohe gewerkschaftliche Organisationsgrade, zwei weitere Voraussetzungen: Erstens, ein Mindestmaß an unterstützenden (trans)nationalen regulativen, normativen und/oder kulturell-kognitiven Institutionen und zweitens, sog. institutionelle entrepreneurs, die grenzüberschreitende Kooperation initiieren und dauerhaft mitzutragen bereit sind.

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Transnational trade union strategies in the European metalworking sector: The Europeanisation of wage policy

Abstract

This article focuses on transnational trade union strategies in the field of wage policy by addressing two questions: (1) What explains cross-border cooperation aimed at the creation of common norms for the coordination of collective bargaining under the condition of international market competition? (2) Why do trade unions in small, export-dependent countries cooperate transnationally when the undercutting of wage increases in larger countries would be a more rational strategy? By drawing on newer accounts of sociological neo-institutionalism we propose a theoretical framework that is applied to the European metalworking sector. We conclude that transnational trade union strategies in wage policy require, besides favourable structural and associational conditions, such as a high degree of integration of companies in global production and value chains and high union densities, two further preconditions: First, a minimum of supportive (trans)national regulative, normative and cultural-cognitive institutions, and second, institutional entrepreneurs who initiate and maintain cross-border coordination.

Keywords: European wage policy, EMU, metal sector, neo-institutionalism, transnational trade union strategies, organisational field (JEL: L31, L39, Z13)


Literaturhinweise



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