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Organisierte Ungleichheit in der Leiharbeit?

Markus Helfen, Andrea Hense, Manuel Nicklich

Abstract


Zusammenfassung

In diesem Beitrag stellen wir die Frage ins Zentrum, wie Kollektivakteure arbeitsbezogene Ungleichheiten in einer sozialen Umwelt mit institutionalisierten Arbeitsbeziehungen sozial konstruieren. Empirisch untersuchen wir qualitativ-explorativ, wie sich die Kategorisierung von Leiharbeit durch Praktiken der Signifikation, Legitimation und Domination auf der Meso-Ebene der Regulation von Arbeit vollzieht. Ein Befund ist, dass die Signifikation der Leiharbeit als benachteiligte Form der Arbeitskraftnutzung weithin geteilt wird, die arbeitspolitischen Akteure jedoch erheblich in der Bewertung darüber abweichen, ob diese Benachteiligung gerechtfertigt ist. Aus dieser Diskrepanz resultieren unterschiedliche Strategien der Akteure: Während die Arbeitgeberseite eine symbolische Aufwertung der Leiharbeit als legitime Beschäftigungskategorie anstrebt, versuchen die Arbeitnehmervertreter eine Gleichbehandlung der Leiharbeiter in materieller Hinsicht zu erreichen. Im Ergebnis befördert dieser Konflikt um die Deutungshoheit paradoxerweise die Rekategorisierung der Leiharbeit als eine Beschäftigungsform mit höherer Legitimität, und zwar trotz fortbestehender Ungleichbehandlung der Leiharbeiter.

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Organised inequality in temporary work?

Abstract

In this article we examine how collective actors construct work-related inequalities in a social environment characterised by institutionalised labour-management-relations. Empirically, we select a qualitative-explorative approach for illuminating how the categorisation of temporary work is shaped through the practices of signification, legitimation and domination in regulating work at the meso-level. We find that collective actors share the signification of temporary work as a disadvantaged form of employment, whereas they diverge in their evaluation of the legitimacy of this disadvantage. Actors derive conflicting strategies from these divergent evaluations: the employer side aims at a symbolic upgrading of temporary agency work as a legitimate category of employment, whereas labour representatives try to establish equal treatment of agency workers on material grounds. The paradoxical result of this evaluation contest is that temporary agency work is re-categorised as a type of employment with higher legitimacy, despite continued unequal treatment of agency workers.

Keywords: wage differentials, labour-related inequality, labour-management-relations, temporary work (JEL: J31, J42, J50, L84)


Literaturhinweise



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