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Berufliche Bildung 4.0? Überlegungen zur Arbeitsmarkt- und Innovationsfähigkeit

Sabine Pfeiffer

Abstract


Zusammenfassung

Berufliche Bildung ist in die Kritik geraten: Ein medial genährtes schlechtes Image, und junge Menschen, die es zunehmend zur Erstausbildung an die Hochschulen zieht. Ein in die Jahre gekommenes institutionelles System, das zudem als weitgehend deutscher Sonderweg gilt, erscheint vielen als Auslaufmodell. Der Beitrag widmet sich dem System der dualen Berufsbildung und versucht angesichts der vorherrschenden Kritik eine Art Bilanz zu ziehen. In einem ersten Schritt werden wissenschaftliche Studien einem kritischen Blick unterzogen, die in den Medien regelmäßig die Verdienst- und Arbeitsmarktchancen für akademisch und für beruflich Qualifizierte vergleichen. Deutlich wird dabei: die duale Berufsausbildung wird „schlecht“ gerechnet und eine Gegenüberstellung klar getrennter Beschäftigtengruppen nach dualem oder akademischen Abschluss trifft die Wirklichkeit unserer Beschäftigtenstruktur nicht. Ein zweiter Schritt befasst sich mit der Relevanz der beruflichen Bildung für den wirtschaftlichen Erfolg innovativer und exportstarker Branchen sowie für innovative Organisationsformen und Innovationsprozesse innerhalb von Unternehmen. Schließlich wird in einem dritten Schritt die Innovationsfähigkeit des Systems der dualen Berufsbildung selbst einem kritischen Blick unterzogen. Insgesamt sammelt der Beitrag empirisch fundierte Argumente für das System der beruflichen Bildung als zukunftsfähige Innovationsressource.

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Vocational training 4.0? Reflections on an innovative system and its contribution to the German labour market

Abstract

While the German system of vocational training is highly acknowledged outside Germany, young people and public opinion in Germany increasingly see the system as obsolete. The paper addresses these opinions and takes stock of the system based on several facts and figures. First, the paper critically assesses studies that attribute people with vocational training qualifications considerably lower chances on the labour market, and lower wages compared to academically trained employees. A systematic comparison identifies more moderate differences between both systems than is usually claimed. Secondly, a review of a variety of studies illustrates how the vocational system contributes to specific economic strengths like innovativeness and exporting capability that are not only relevant for production and manufacturing sectors but are an essential asset for the transformation towards Industry 4.0.

Keywords: vocational training, Industry 4.0, innovation, labour market (JEL: J24, O15, O32)


Literaturhinweise



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