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Modisches Handeln als Strategie der Veruneindeutigung? Eine kritische Diskursanalyse über ‚islamische Mode‘

Claudia Amsler

Abstract


Leseprobe

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Zusammenfassung

Der Beitrag beschäftigt sich mit dem medialen Sprechen über vestimentäre Praktiken rund um ‚die islamische Mode‘. Mithilfe der Wiener Kritischen Diskursanalyse argumentiere ich dafür, dass eine postkoloniale Perspektive auf das Themenfeld von Mode und Geschlecht unabdingbar ist. So lässt sich durch die Analyse von deutschsprachigen Berichterstattungen, die durch Interviews mit Expertinnen und ethnografischen Beobachtungen flankiert wurden, die Janusköpfigkeit von modischen Handlungen aufzeigen: Einerseits besitzen modische Handlungen das Potenzial, fixierte Bedeutungen von vergeschlechtlichten und religiös konnotierten Kleidungsstücken zu veruneindeutigen, andererseits können sich in modischen Handlungen und im Sprechen über sie koloniale Blick- und Denkregime aktualisieren. Insbesondere das Stereotyp ‚der unterdrückten muslimischen Frau‘ wird immer wieder aufgerufen und dient in den Berichterstattungen dazu, ein ‚Gegenbild‘ zu konstruieren: die schöne, selbstbestimmte, kauffreudige Muslimin. Durch die referentielle Strategie der Synekdoche und Generalisierung wird dieses ‚Gegenbild‘ homogenisiert, exotisiert und gleichzeitig vereinnahmt.

Schlüsselwörter: Postkolonialismus, Diskursanalyse, Religion, Geschlecht, Veruneindeutigung

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Fashion acts as strategies for creating ambiguities? A critical discourse analysis of “Islamic fashion”

Summary

This article discusses the media lan guage used to talk about clothing practices around the topic of “Islamic fashion”. Adopting the discourse-historical approach, I argue that a postcolonial perspective of fashion and gender is indispensable. An analysis of articles written in German, expert interviews and ethnographic observation reveals the Janus-faced nature of fashion acts: On the one hand, fashion acts have the potential to make fixed meanings of gendered and religionized clothes ambiguous. On the other hand, colonial regimes of gaze and thinking can be updated in fashion acts and speaking about them. In particular, the stereotype of “the oppressed Muslim woman” is repeatedly invoked and serves to create a counter-image in reporting: the beautiful, self-determined Muslim who is eager to buy. This counter-image is homogenized, exotified and simultaneously appropriated through the referential strategies of synecdoche and generalization.

Keywords: postcolonialism, discourse analysis, religion, gender, ambiguity

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Bibliographie: Amsler, Claudia: Modisches Handeln als Strategie der Veruneindeutigung? Eine kritische Diskursanalyse über ‚islamische Mode‘, GENDER - Zeitschrift für Geschlecht, Kultur und Gesellschaft, 3-2018, S. 39-53. https://doi.org/10.3224/gender.v10i3.04


Literaturhinweise



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