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Der „deviante“ Körper: die Verhandlung des weiblichen Körpers in alltäglichen Kleidungspraktiken medialer Selbstinszenierung

Julia Hahmann

Abstract


Leseprobe

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Zusammenfassung

Kleidung kann als Material zur Identitätskonstruktion verstanden werden, das anhand der Kenntnis impliziter wie expliziter Regeln situationsadäquat zur Inszenierung des erfolgreichen Subjekts eingesetzt wird. Dem devianten Körper wird der Zugang zu trendbewusster Kleidung limitiert und somit auch die Identitätskonstruktion als „fashionable persona“ erschwert. Anhand einer inhaltsanalytischen Untersuchung von Blog-Postings des Curvy Sewing Collective (CSC) und Selbstpräsentationen der sich als kurvig oder fett bezeichnenden Autorinnen können die Auseinandersetzung mit Kleidung als Material und der Praxis des Ankleidens als an einer sozialen Umwelt ausgerichteten Form der Optimierung des eigenen Körpers nachgezeichnet werden. Im Zusammenhang mit der Gemeinschaft des CSC entwickeln die untersuchten Subjekte Technologien des Selbst, die es erlauben, sich trotz wahrgenommener Devianz sozial akzeptabel zu kleiden und eine erfolgreiche Identitätskonstruktion als attraktive, modebewusste Frau zu unterstützen. Obgleich die dargestellten Attraktivitätsnormen Vorstellungen von normativer Weiblichkeit reproduzieren, ermöglicht das Kollektiv so individuelles Empowerment für die Teilnehmerinnen.

Schlüsselwörter: Deviante Körper, Identität, Fashion-Blogs, Praktiken des Kleidens, Nähen

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“Deviant” bodies: Female bodies and everyday clothing in online self-presentations

Summary

Clothes can be regarded as the material by which we construct identities. By knowing the implicit and explicit rules of social settings we can use this material to successfully stage a subject. Deviant bodies have limited access to seasonal fashion trends, which also prevents them constructing “fashionable personae”. Using a qualitative content analysis, the article investigates blog postings by the Curvy Sewing Collective. The self-presentations of authors who self-identify as curvy or fat allow me to illustrate how these women use clothes as the material for as well as the practice of dressing as strategies for optimizing one’s corporeal capital. Women develop technologies of the self in cooperation with the Curvy Sewing Collective which enable them to create socially acceptable clothing, despite their deviant bodies. In addition, these technologies support successful identity construction processes and produce images of attractive, fashionable subjects. The collective therefore fosters individual empowerment, though under the conditions of normative femininity.

Keywords: deviant bodies, identity, fashion blogs, clothing, sewing

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Bibliographie: Hahmann, Julia: Der „deviante“ Körper: die Verhandlung des weiblichen Körpers in alltäglichen Kleidungspraktiken medialer Selbstinszenierung, GENDER - Zeitschrift für Geschlecht, Kultur und Gesellschaft, 3-2018, S. 24-38. https://doi.org/10.3224/gender.v10i3.03


Literaturhinweise



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