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„Leiden mit Geduld“ – Schmerz und Geschlecht im 19. Jahrhundert. Praxistheoretische Rekonstruktionen

Karen Nolte

Abstract


Leseprobe

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Zusammenfassung

Die Forschung zur Geschichte des Schmerzes ist wesentlich geprägt durch die Arbeiten von Elaine Scarry und David Morris, die in den späten 1980er- und frühen 1990er-Jahren im Kontext des Linguistic Turn in den Kulturwissenschaften entstanden sind. Scarry formulierte mit Blick auf die Medizin in den späten 1970er- und frühen 1980er-Jahren die These der „Inexpressibility“ des Schmerzes. Schmerz sei der Ausdruck einer „radikalen Subjektivität“, die es unmöglich mache, physischen Schmerz zu definieren oder zu beschreiben. Die Grundannahme des Beitrags ist, dass praxeologische Zugänge einen anderen Zugang zur Geschichte des Schmerzes ermöglichen. Nicht der bisher dominierenden Frage nach der Authentizität von Schmerz in den Quellen soll nachgegangen werden, sondern es geht darum, Praktiken im Umgang mit Schmerz zu analysieren. Untersucht werden soll, in welcher Weise Konzeptionen von Geschlecht den Praktiken zum Umgang mit Schmerz im 19. Jahrhundert implizit sind. Das Aufschreiben von Schmerz wird im Folgenden ebenfalls als Praktik begriffen.

Schlüsselwörter: Schmerz, Geschlecht, Medizin, Praktiken, Krankenpflege

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“Patiently suffering” – Praxeological reconstructions of pain and gender in the 19th century

Summary

Research on the history of pain was significantly influenced by the work of Elaine Scarry and David Morris in the late 1980s and early 1990s in the context of the “linguistic turn” in cultural studies. Scarry developed the concept of the “inexpressibility” of pain in the late 1970s and early 1980s in regard to the field of medicine. According to Scarry, pain is an expression of “radical subjectivity”, making it impossible to define or describe physical pain. The article argues that praxeological approaches open up new ways into the history of pain. The previously dominant question of how authentic descriptions of pain can be at reflecting the experiences of people concerned will be ignored here, i.e. whether pain can be adequately expressed in words. Rather, the article seeks to analyse practices when it comes to dealing with pain. The investigation focuses on the ways in which concepts of gender informed how pain was dealt with in the 19th century. Writing down and preserving descriptions of pain are also regarded as a practice.

Keywords: pain, gender, medicine, practices, nursing

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Bibliographie: Nolte, Karen: „Leiden mit Geduld“ – Schmerz und Geschlecht im 19. Jahrhundert. Praxistheoretische Rekonstruktionen, GENDER, 1-2018, S. 29-46. https://doi.org/10.3224/gender.v10i1.03

Literaturhinweise



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