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‚Der große Austausch‘– Rechtsextreme Reproduktions- und Bevölkerungspolitik am Beispiel der ,Identitären‘

Judith Goetz

Volltext: PDF

Abstract


Leseprobe

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Zusammenfassung

Ausgehend von einer Rekonstruktion der zentralen Argumentationsmuster rechtsextremer Reproduktions- und Bevölkerungspolitik im deutschsprachigen Raum widmet sich der Beitrag der Analyse von entsprechenden Narrativen am Beispiel der rechtsextremen ,Identitären‘, insbesondere deren ab 2014 gestarteten Kampagne ,Stoppt den Großen Austausch‘. Im Rahmen einer kritischen Diskursanalyse wird dabei den Fragen nachgegangen, inwiefern die ,Identitären‘ trotz einer teilweise modernisierten Sprache die über Jahrzehnte tradierten, zentralen bevölkerungs- und reproduktionspolitischen Argumentationsmuster der extremen Rechten erneuern und welche Rolle geschlechtsspezifische Aspekte darin einnehmen. Dabei zeigt sich, dass sich rechtsextreme Reproduktions- und Bevölkerungspolitiken vor allem rund um Erzählungen eines Geburtenrückgangs unter der autochthonen Bevölkerung, eines ,Bevölkerungsaustauschs‘ durch Zuwanderung, Multikulturalismus und Islamisierung sowie einer ,Vergreisung der Gesellschaft‘ formieren und sich weitgehend in den demografiepolitischen Diskursen der ,Identitären‘ wiederfinden. Die dargestellten vermeintlichen Problemlagen stehen dabei in engem Zusammenhang mit rechtsextremen Vorstellungen von Geschlechterverhältnissen. So lassen sich in Hinblick auf die Verhinderung des imaginierten ,Bevölkerungsaustauschs‘, für die sich Rechtsextreme wie die ,Identitären‘ stark machen, klare Vorstellungen von Geschlechterrollen ablesen. Während Männer den ,Bevölkerungsaustausch‘ durch eine Wehrhaftigkeit abwenden sollten, könnten Frauen diesen aufhalten, indem sie mehr Kinder bekommen. Hinter der Propagierung pronatalistischer, nativistischer und familistischer Politiken verbirgt sich auch bei den ,Identitären‘ die Angst vor gesellschaftlicher Veränderung und der Wunsch nach der Aufrechterhaltung bestehender Ordnungen.

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„The Great Replacement“ – Right-Wing Extremist Reproduction and Population Policies and the Example of the ,Identitarians‘

Abstract

Based on a reconstruction of the central argumentation patterns of right-wing extremists’ reproduction and population policies in the German-speaking context, the article is dedicated to the analysis of the corresponding narratives using the example of right-wing extremist ,Identitarians‘, in particular their campaign ,Stop the Great Replacement‘, which started in 2014. In the context of a critical discourse analysis, two basic questions are raised. Firstly, to what extent, despite a partially modernized language, the ,Identitarians‘ adopt and revive the central argumentation patterns on population and reproduction policy of the extreme right, which have been handed down for decades, and, secondly, which role gender-specific aspects play in their ‚demographisation‘ of social problems. Right-wing extremist policies of reproduction and population primarily revolve around narratives of a decline in birth rates among the autochthonous population, a ,population exchange‘ through immigration, multiculturalism and Islamisation, and an ,aging society‘, and largely coincide with the discourses of demography of the ,Identitarians‘. These proclaimed ‚problems‘ are closely related to right-wing extremist ideas of gender relations. With regard to the prevention of the imagined ‚population exchange‘, which right-wing extremists such as the ,Identitarians‘ mobilize for, the article shows that clear ideas of gender roles can be derived. While men should fight ‚population exchange‘ by means of fortitude, women might stop it by giving birth to more children. The propagation of pronatalist, nativist and familialist policies among the ,Identitarians‘ also hides their fear of sociocultural change and the desire to maintain existing orders.

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Bibliographie: Goetz, Judith: ‚Der große Austausch‘– Rechtsextreme Reproduktions- und Bevölkerungspolitik am Beispiel der ,Identitären‘, Femina Politica – Zeitschrift für feministische Politikwissenschaft, 2-2020, S. 37-49. https://doi.org/10.3224/feminapolitica.v29i2.04

Literaturhinweise