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,Wahre‘ türkische Männlichkeit – Die (Re)Produktion von hegemonialer Männlichkeit und traditionellen Geschlechterrollen durch das türkische Militär

Sabrina Ahmed, Hürcan Aslı Aksoy

Volltext: PDF

Abstract


Leseprobe

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Zusammenfassung

In der Türkei besteht für jeden gesunden, männlichen Bürger zwischen 20 und 41 Jahren die Wehrpflicht. Homosexuelle Männer können sich allerdings um einen sogenannten „Rotten Report“ und damit um eine Befreiung von der Wehrpflicht bewerben. Dieser Aufsatz beschäftigt sich mit der Frage, wie das türkische Militär hegemoniale Männlichkeit und traditionelle Geschlechterrollen durch die Prozeduren der ‚Rotten Reports‘ (re)produziert. Dafür werden Theorien der militärischen Sozialisation (Kliche 2004), der hegemonialen Männlichkeit (Connell 1995) und der Gender-Performativität (Butler 1990) angewendet. Um einen ‚Rotten Report‘ zu erhalten, müssen sich die männlichen Bewerber erniedrigenden Untersuchungen unterziehen. Die Prozedur der ,Rotten Reports‘ führt dazu, dass die Bewerber sich bemühen, ihre Genderperformanz an das Bild des ,verweiblichten‘ homosexuellen Mannes anzupassen, um in den Augen des Militärs als homosexuell und folglich als ,Gefahr‘ und ,ungeeignet‘ für den Militärdienst eingestuft zu werden. Durch diesen Ausschluss von Homosexuellen aus dem Militärdienst produziert das Militär hegemoniale Männlichkeit. Diese Genderperformanz trägt wiederum zur Aufrechterhaltung der traditionellen Geschlechterrollen bei. Auf der Grundlage einer Literaturanalyse von Primär- und Sekundärquellen, darunter wissenschaftlichen Texte, die auf Interviews mit Betroffenen basieren, Befragungen, Artikel und Blogs von türkischen LGBTI-Organisationen, wird die Frage empirisch beantwortet.

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‘True’ Turkish Masculinity – The (Re)Production of Hegemonic Masculinity and Traditional Gender Roles by the Turkish Military

Abstract

In Turkey, military service is compulsory for every healthy male citizen between the age of 20 and 41. However, homosexual men can apply for a so-called “rotten report” and thus can be exempted from the compulsory military service. This article examines the question of how the Turkish military (re)produces hegemonic masculinity and traditional gender roles through the procedures of the rotten reports. To this end, the theories of military socialization (Kliche 2004), hegemonic masculinity (Connell 1995), and gender performativity (Butler 1990) are applied. To receive a ‘rotten report’, male applicants must undergo humiliating examinations. The procedure of the ‘rotten reports’ leads to a gender performance of applicants who try to adopt the image of the ‘feminized’ homosexual man in order to be classified as homosexual in the eyes of the military, and consequently as ‘dangerous’ and ‘unsuitable’ for military service. By excluding homosexuals from military service, the military produces hegemonic masculinity, to which homosexual masculinity is subordinated. This gender performance in turn contributes to the maintenance of traditional gender roles. Based on a literature analysis of primary and secondary sources, including academic texts based on interviews with affected persons, surveys, articles and blogs of Turkish LGBTI organizations, the posed question is answered empirically.

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Bibliographie: Ahmed, Sabrina/Aksoy, Hürcan Aslı: ,Wahre‘ türkische Männlichkeit – Die (Re)Produktion von hegemonialer Männlichkeit und traditionellen Geschlechterrollen durch das türkische Militär, Femina Politica – Zeitschrift für feministische Politikwissenschaft, 1-2020, S. 84-97. https://doi.org/10.3224/feminapolitica.v29i1.07


Literaturhinweise