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Die Janusköpfigkeit militärischer Gewalt: Zur Einhegung von Verletzbarkeit und Verletzungsmacht durch mexikanische Soldatinnen*

Louise Thiel

Volltext: PDF

Abstract


Leseprobe

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Zusammenfassung

Das Erkenntnisinteresse dieses Artikels gilt dem Zusammenhang zwischen Gewalt und Geschlechterbeziehungen im Militärischen. In der symbolischen Ordnung ist Gewalt dichotom in Verletzungsmacht und Verletzbarkeit organisiert, diese Dichotomie ist zudem tiefgreifend mit der Kategorie Geschlecht verknüpft. Welche Verschiebungen in der geschlechtlich strukturierten, militärischen Gewaltorganisation zieht die Einbindung von Frauen* in mexikanische Kampfeinheiten nach sich? Die zugrundeliegende qualitative Studie erforscht, wie Soldatinnen in die mexikanischen Streitkräfte eingebunden werden, welche Einhegung ihre soldatische Verletzbarkeit erfährt und inwiefern sie sich Verletzungsmacht aneignen. Als zentrales Ergebnis wird herausgearbeitet, dass mit der militärischen Einbindung von Frauen* eine Verschiebung in der vergeschlechtlichten Ordnung der Gewalt konstatiert werden kann: Die mexikanischen Kampfsoldatinnen haben sich erfolgreich eine soldatische Subjektposition angeeignet und sind weit in die bislang männlich konnotierte Sphäre der soldatischen Verletzungsmacht vorgedrungen. Gleichzeitig sind die Bewegungen in der Beziehung von Gewalt und Geschlecht im Militärischen deutlich von Ambivalenzen gekennzeichnet, denn es werden auch neue Grenzen gezogen.

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Janus-headed Military Violence: Framings of Vulnerability and the Ability to use Violence among Female Mexican Soldiers

Abstract

This article examines the relationship between violence and gender in the military. In societies in which the dichotomous ascription to either the male or female gender organizes one’s position in the societal order of violence, the military is of critical importance for linking masculinity with the ability to use violence on the one hand and femininity with vulnerability on the other hand. Hence, the research question of the presented project centers on the impacts resulting from the integration of women into the military. Which shifts are happening in the gendered organization of military violence? Drawing on a case study of Mexican female soldiers, it is demonstrated that female soldiers successfully incorporate a soldier’s subject position and that they enter deep into the male space of military violence. Therefore, the central finding is a notable shift in the gendered order of violence. However, this shift is characterized by ambiguities. The Mexican servicewomen draw new gendered boundaries in the combat units.

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Bibliographie: Thiel, Louise: Die Janusköpfigkeit militärischer Gewalt: Zur Einhegung von Verletzbarkeit und Verletzungsmacht durch mexikanische Soldatinnen*, Femina Politica – Zeitschrift für feministische Politikwissenschaft, 1-2020, S. 69-83. https://doi.org/10.3224/feminapolitica.v29i1.06


Literaturhinweise