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Etwas stimmte nicht. Narrative Allianzen und retrospektive Zeug*innenschaft

Laura Moisi

Abstract


Leseprobe

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Zusammenfassung

In diesem Beitrag geht es um die Frage, wie literarische, filmische und autobiografische Schilderungen von unerwünschten Berührungen und sexuellen Übergriffen zur Grundlage von politischen Allianzen werden. Ausgehend von kulturwissenschaftlichen Perspektiven auf Affekt und Geschlecht, insbesondere mit Blick auf Sara Ahmeds queer-feministische Arbeiten, beschäftigt sich der Beitrag mit gegenwärtigen Neuaushandlungen von feministischer Solidarität. Dabei soll ein Blick auf Formen feministischer Solidarität geworfen werden, die sich weniger an der Überwindung von Gefühlen der Ohnmacht orientieren und mehr an einer narrativen Aufarbeitung von Gewalterfahrungen. Vergangenheit und Gegenwart, persönliche Schicksale und Kulturgeschichte, verschränken sich dabei auf produktive Weise. Bezugnehmend auf gegenwärtige kulturelle Aufarbeitungen von sexualisierter Gewalt in sozialen Medien, Essays und Erzählbänden, geht es um die Frage, wie fiktive und autobiografische Erzählpraktiken Vorstellungen von Handlungsmacht und Passivität, von Dominanz und Opferstatus herausfordern. Dabei wird ein Blick auf narrative Allianzen als feministische Solidaritätsform skizziert, die affektive Verweigerungen und Widerstände sichtbar macht.

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Something Wasn’t Right: Narrative Alliances and Retrospective Witnessing

Abstract

This article explores survivors’ perspectives on sexual abuse in autobiographical as well as fictionalized accounts as political re-writings of solidarity. From a cultural studies perspective, the article draws on the work of feminist scholar Sara Ahmed in order to discuss contemporary forms of queer-feminist solidarity. It presents a discussion of narrative alliances that are less focused on overcoming feelings of pain and agony in the face of abuse, and more on a careful exploration of what that violence entails. With regard to affective experiences and internal monologues presented in short stories, hashtag tweets, novels and documentaries, the question is how contemporary narratives challenge notions of agency and passivity, of domination and victimhood. The aim is to consider forms of affective resistance that challenge the notion of agency and liberation on the one hand, and pain and suffering on the other.

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Bibliographie: Moisi, Laura: Etwas stimmte nicht. Narrative Allianzen und retrospektive Zeug*innenschaft, Femina Politica – Zeitschrift für feministische Politikwissenschaft, 2-2019, S. 107-120.
https://doi.org/10.3224/feminapolitica.v28i2.09

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