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Feministische Solidarität als Kosmopolitik

Johanna Leinius

Abstract


Leseprobe

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Zusammenfassung

In meinem Beitrag diskutiere ich, inwiefern die Anerkennung von Differenz als Basis für feministische Solidarität dienen kann. Ich verbinde die Debatten innerhalb postkolonial-feministischer Theorie über die Un/Möglichkeiten von feministischer Solidarität mit der Perspektive der Politischen Ontologie, um Kosmopolitik als die Verhandlungen zwischen miteinander in ungleicher Beziehung verbundener heterogener Welten zu greifen. Dafür untersuche ich zwei Bewegungstreffen in Peru, die Fünften Dialogen zwischen Bewegungen und Wissen sowie das 13. Feministische Lateinamerikanische und Karibische Treffen. Um zu analysieren, wie Differenz auf den beiden Treffen konstruiert wird und welche Effekte dies auf die Möglichkeit hat, Solidarität zu praktizieren, schlage ich zwei Konstellationen von Solidarität und Kosmopolitik vor: Kosmopolitische Solidarität bezeichnet eine Haltung gegenüber als different betrachteten Gruppen und Individuen, die Differenz als Stärke emanzipatorischer Kämpfe sieht. Statt exklusive Grenzen zu betonen, wird die Intersektionalität verschiedener Kämpfe anerkannt, das geteilte politische Bewusstsein wird als erst im gemeinsamen Kampf geschaffen gesehen, und die Praxis der Imagination wird eingesetzt, um potenzielle Inkommensurabilitäten zu überbrücken. Kosmopolitik der Solidarität meint hingegen die Praxen der Solidarität, die heterogene und potenziell nicht ineinander aufgehende Kämpfe verschränken und auf wechselseitiger Kritik aufbauen. Erst die gemeinsame Betrachtung beider Konstellationen, so mein Argument, kann die machtvollen Aushandlungsprozesse fassen, die feministische Solidarität als dekolonisierende Praxis ermöglichen.

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Feminist Solidarity as Cosmopolitics

Abstract

In my contribution I discuss whether and how the recognition of difference can serve as foundation for feminist solidarity. I combine the debates within postcolonial feminist theory about the im/possibilities of feminist solidarity with the perspective of Political Ontology in order to grasp cosmopolitics as the negotiations between heterogeneous worlds partially connected through asymmetrical power relations. Empirically, I examine two movement meetings in Peru, the Fifth Dialogues between Movements and Knowledges and the 13th Latin American and Caribbean Feminist Meeting. In order to investigate the construction of difference at the two meetings and its effects on the possibility of practicing solidarity, I propose two constellations of solidarity and cosmopolitics: Cosmopolitical solidarity refers to an attitude towards groups and individuals regarded as different and considers difference as the strength of emancipatory struggles. Instead of emphasizing exclusive borders, the intersectionality of different struggles is recognized, a shared political consciousness is seen as created through struggling together, and the practice of imagination is used to bridge potential incommensurabilities. The cosmopolitics of solidarity depicts the practices of solidarity that weave together heterogeneous and potentially unrelated struggles and build on mutual critique. Only the joint consideration of both constellations, I argue, can grasp the powerful negotiation processes that enable feminist solidarity as decolonizing practice.

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Bibliographie: Leinius, Johanna: Feministische Solidarität als Kosmopolitik, Femina Politica – Zeitschrift für feministische Politikwissenschaft, 2-2019, S. 81-94. https://doi.org/10.3224/feminapolitica.v28i2.07


Literaturhinweise



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