Diskriminiert, weil sie Kinder sind – Ein blinder Fleck im Umgang mit Menschenrechten

Manfred Liebel

Abstract


Zusammenfassung

Der vorliegende Beitrag setzt sich mit der bisher geringen Beachtung altersspezifisch motivierter Diskriminierung von Kindern in der menschen- und kinderrechtlichen Debatte auseinander. Nach einer begrifflichen Erörterung verschiedener Konzepte und Formen von Diskriminierung entwickelt und erläutert der Autor mit Blick auf Kinder eine Typologie vier verschiedener Muster altersspezifischer Diskriminierung: Maßnahmen und Strafen gegen unerwünschte Verhaltensweisen von Kindern, die bei Erwachsenen geduldet werden oder als normal gelten; Maßnahmen, die mit der besonderen Schutzbedürftigkeit von Kindern begründet werden, aber letztlich zu einer zusätzlichen Benachteiligung der Kinder führen; der im Vergleich zu Erwachsenen beschränkte Zugang zu Rechten, Gütern, Einrichtungen und Dienstleistungen; Nicht-Beachtung der sozialen Gruppe der Kinder bei politischen Entscheidungen, die im späteren Leben der Kinder und für nachfolgende Generationen negative Auswirkungen haben. Der Autor versteht seinen Beitrag als Herausforderung für die Theoriebildung zu Ungleichheitsdimensionen in der Kindheits- und kinderrechtlichen Forschung.

Schlagwörter: Kinderrechte, Menschenrechte, Diskriminierung, soziale Ungleichheit, generationale Ungleichheit

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Discriminated because They Are Children – A Blind Spot in Dealing with Human Rights

Abstract

This contribution deals with the little attention paid until now to the age-based discrimination of children in the human and children’s rights debate. After a conceptual discussion of different concepts and forms of discrimination, the author develops and describes – with a view to children – a typology of four different patterns of age-based discrimination: measures and punishments against unwanted behavior in children which is tolerated or considered normal in adults; measures justified by children’s special need for protection but in the long run additionally disadvantage children; limited access of children – compared to adults – to rights, goods, facilities and services; failure to consider the social group of children in political decisions that will have negative effects on the later lives of children and on following generations. The author understands his contribution as a challenge to develop a theory on the dimensions of inequality in childhood and children’s rights research.

Keywords: Children’s rights, human rights, discrimination, social inequality, generational inequality


Literaturhinweise



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