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Intergenerative Transferbeziehungen und Bildungserfolg – Verschiebungen im Bildungsmoratorium

Ludwig Stecher, Amina Fraij, Sabine Maschke

Abstract


Zusammenfassung

In seinem Konzept des Bildungsmoratoriums geht Zinnecker davon aus, dass Eltern Ressourcen, die für den Bildungserfolg ihrer Kinder relevant sind, auf vier verschiedenen Ebenen bzw. Bereichen weitergeben – er nennt diese Bereiche Transferbeziehungen. Neben der Weitergabe von ökonomischem und kulturellem Kapital umfassen diese Bereiche auch den psychologischen Austausch innerhalb der Familie (Entwicklungskapital) sowie Unterstützungsleistungen wie die gemeinsame Erledigung von Haushaltsaufgaben und Hilfe bei den Hausaufgaben. Quantität und Qualität der Transferbeziehungen sind ihrerseits verbunden mit dem Bildungserfolg der Familienkinder und mit der erfolgreichen Weitergabe von sozialem Status zwischen den Familiengenerationen. Gestützt auf zwei Studien – die erste durchgeführt 2001 und die zweite 2012 – können wir zeigen, dass entgegen unserer Erwartung die Effekte der Transferbeziehungen auf den Bildungserfolg der Kinder über die Zeit hin abnimmt und der (direkte) Effekt des elterlichen Bildungshintergrunds dagegen zunimmt. Unsere Befunde regen neue Forschung an und weisen darauf hin, dass bei der Untersuchung familiärer Strategien der Weitergabe von Bildungserfolg und sozialem Status zukünftig zusätzlich zu den familieninternen Transferbeziehungen verstärkt der Blick auf externale Strategien (externe Unterstützungsangebote) gerichtet werden sollte.

Schlagwörter: Bildungsmoratorium, intergenerative Transferbeziehungen in der Familie, Bildungserfolg, soziale Reproduktion, kulturelles Kapital, Familienstrategien, Zeitvergleich

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Intergenerational Transfer Relationships and Educational Attainment – Shift of the Educational Moratorium

Abstract

In his concept of „Bildungsmoratorium“ (educational moratorium) Zinnecker assumes that parents transfer educationally relevant resources to their children in four different areas – which he called “Transferbeziehungen” (transfer relationships between the family generations). Aside from the transmission of economic and cultural capital these areas encompass the psychological interchange within the family (developmental capital) and support like the sharing of household work and homework support. Quantity and quality of these Transferbeziehungen within the family are interlinked with the educational attainment of the children and with a successful transmission of social status between the family generations. Based on two studies – the first one conducted in 2001 and the second one in 2012 – we can show that, contrary to our expectations, the effects of the Transferbeziehungen on the educational attainment of children decrease over time whilst the (direct) effect of parents’ educational background increases. Our findings indicate that future research on families’ strategies of transferring educational attainment and social status should focus more on external strategies (like extended education activities in music schools or private tutoring) in addition to the internal Transferbeziehungen within the family.

Keywords: Educational moratorium, transfer relationships between the family generations, educational attainment, social reproduction, cultural capital, family strategies, trend analysis

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Bibliographie: Stecher, Ludwig/Fraij, Amina/Maschke, Sabine: Intergenerative Transferbeziehungen und Bildungserfolg – Verschiebungen im Bildungsmoratorium, Diskurs Kindheits- und Jugendforschung, 2-2016, S. 161-178. https://doi.org/10.3224/diskurs.v11i2.23653


Literaturhinweise



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