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„Pflegesklavinnen und Pflegehelden?“ Migrantinnen in der häuslichen Pflege und Betreuung in Deutschland

Judith von Plato

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Abstract


Leseprobe

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Zusammenfassung

Der Artikel beschäftigt sich mit häuslicher Senior_innenbetreuung in Deutschland durch Pendelmigrant_innen aus Mittel- und Osteuropa. Der Fokus liegt auf den Perspektiven einzelner Pflegerinnen. Empirische Grundlage bilden narrative Interviews mit vier Pflegemigrantinnen aus Polen. Theoretisch wird die Tätigkeit als intime und emotionale Arbeit (Boris und Parreñas 2010, Hochschild 1999) verortet, durch die vier zentrale Aspekte der häuslichen Pflege analysiert werden: zwischenmenschliche Beziehungen zwischen Arbeitgeber_innen und Arbeitnehmer_innen, die Rolle des Körpers, die emotionale Arbeit, die Pflegekräfte zu leisten haben, und abschließend Strategien der Aneignung durch die Betreuerinnen. Die Forschung zeigt, dass einseitige Darstellungen von entweder ausgebeuteten oder selbstbestimmten Pflegekräften unzureichend sind. Die häusliche Betreuung als Teil des transnationalen Pflegesystems ist von ungleichen Machtverhältnissen durchzogen und beruht auf sozialen Ungleichheiten. Gleichzeitig sind Erfahrungen von einzelnen Pflegekräften ebenso ernst zu nehmen, die teilweise aus der Arbeit Freude und Stolz schöpfen und bereichernde Bezie-hungen knüpfen. Dies sollte allerdings keinesfalls romantisiert werden, da die Pflegerinnen auch die psychischen und physischen Folgen der Tätigkeit betonen. Ihre Erfahrungen widersprechen Darstellungen von Vermittlungsagenturen, die emotionale Arbeit der Pflegekräfte herunterspielen, indem sie auf Geschlecht und Herkunft verweisen, welche sie auf vermeintlich „natürliche“ Weise für die Pflegearbeit prädestinieren.

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Bibliographie: von Plato, Judith: „Pflegesklavinnen und Pflegehelden?“ Migrantinnen in der häuslichen Pflege und Betreuung in Deutschland, BIOS – Zeitschrift für Biographieforschung, Oral History und Lebensverlaufsanalysen, 1-2020, S. 23-45. https://doi.org/10.3224/bios.v33i1.02

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Literaturhinweise