Open Access Freier Zugang (Open Access)  Eingeschränkter Zugriff Zugang für Abonnent/innen oder durch Zahlung einer Gebühr

Konstituierende Selbstbestimmung in multinationalen Föderationen

Andreas Oldenbourg

Abstract


Zusammenfassung

In multinationalen Staaten ist eine föderale Ordnung die wichtigste Alternative zu einer Sezession. Wie sich in Fällen wie Katalonien, Quebec oder Schottland jedoch zeigt, werden Sezessionsansprüche mitunter auch dann erhoben, wenn nationale Minderheiten bereits über substaatliche Selbstbestimmungsrechte verfügen. Dem stehen vor allem die Ansprüche interner Minderheiten entgegen. Für eine Vermittlung dieser Ansprüche schlage ich einen republikanischen Ansatz auf Basis der Freiheit als Nicht-Beherrschung vor. Einerseits schützen multinationale Föderationen interne Minderheiten am besten vor Beherrschung. Andererseits verlangt die Nicht-Beherrschung nach einem demokratischen Konstitutionalismus, aus dem ein Recht auf effektive Anfechtbarkeit einer gegebenen Verfassung bis hin zu einer Sezession folgt. Diese Spannung lässt sich durch die Erweiterung plebiszitärer Prozesse vermitteln, in denen sowohl eine Autonomie vertieft als auch eine Sezession vollzogen werden kann. Dies ermöglicht die legitime Konstituierung einer oder zweier Republiken durch mehrere Völker.

Schlüsselwörter: Demokratie, Föderalismus, Nationalismus, Republikanismus, Sezession, Verfassung

-----

Abstract

Federations are considered to be the prime alternative to secession from multinational states. However, in cases like Catalonia, Quebec or Scotland, national minorities raise secessionist claims even though they already dispose of rights to sub state autonomy. The most important claims against their secession are raised by the respective internal minorities. In this paper, I propose a republican approach based on the idea of freedom as non-domination that arbitrates between these competing claims. On the one hand, a multinational federation protects internal minorities best from domination. On the other hand, non-domination requires a democratic constitutionalism that permits the contestation of a constitution up to secession. This tension can be mediated by an extension of plebiscitary processes that gives a choice between deeper forms of autonomy and secession. This allows for a legitimate constitution of one or two republics through several people.

-----

Bibliographie: Oldenbourg, Andreas: Konstituierende Selbstbestimmung in multinationalen Föderationen, ZPTh, 2-2017, S. 179-196. https://doi.org/10.3224/zpth.v8i2.04


Literaturhinweise



Volltext: PDF