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Ist Rechtsextremismus „erblich“? Zur Ähnlichkeit rechtsextremer Verhaltenstendenzen von Studierenden und ihren Eltern

Klaus Boehnke

Abstract


Leseprobe

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Zusammenfassung

Der Beitrag untersucht, unter welchen Bedingungen sich alltägliche rechtsextreme Verhaltenstendenzen von Studierenden und ihren Eltern ähneln. Hierzu wurden 147 Studierende, ihre Mütter und ihre Väter befragt. Anders als in vielen sozialwissenschaftlichen Studien geht es um selbstberichtetes rechtsextremes Alltagsverhalten (etwa die Nutzung herabwürdigender Sprache zur Bezeichnung von Migranten), nicht um Einstellungen. Die These wird geprüft, dass hohe intergenerationale Ähnlichkeit eine dem Rechtsextremismus förderliche ideologische Orientierung der Eltern als Frame voraussetzt: Nur in Familien mit einem hohen Level an Hierarchischem Selbstinteresse (HSI, Hagan) ist der Boden für intergenerationale Ähnlichkeit gelegt. Unterschiede in der Ähnlichkeit zwischen Müttern und Vätern bzw. Söhnen und Töchtern werden – im Einklang mit Befunden der Sozialisationsforschung zum Rechtsextremismus – ebenfalls angenommen: Transmissionseffekte in der Vater-Sohn-Dyade sollten besonders deutlich ausfallen. Beide Thesen werden bestätigt. Der Beitrag schließt mit dem Vorschlag, in die Prävention von Rechtsextremismus auch Elternarbeit, insbesondere die Arbeit mit Vätern und Söhnen einzubeziehen.

Schlagwörter: rechtsextremes Verhalten, Hierarchisches Selbstinteresse (HSI), intergenerationale Transmission, Vater-Sohn-Dyade

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Is right-wing extremism ‘inheritable’? Are there similarities of right-wing extremist behavioral tendencies among university students and their parents?

Abstract

The paper poses the question under which circumstances right-wing extremist behavioral tendencies of university students and their parents are likely to be similar. To answer this research question, 147 students, their mothers, and their fathers were surveyed. Unlike in most social research, the focus is on self-reported right-wing extremist everyday behavior (e.g., usage of derogatory language when talking about migrants), not attitudes. The hypothesis is tested that high intergenerational similarity in right-wing extremism requires the frame of a parental ideology that fosters such an orientation: the basis for intergenerational similarity is provided only in those families that have a high level of hierarchic self-interest (HSI, Hagan). In line with findings of socialization research on right-wing extremism, differences in similarities between mothers and fathers, on the one hand, and sons and daughters, on the other hand, are also assumed: Transmission effects should be particularly strong in the fatherson dyad. Both hypotheses are confirmed by the study. The paper concludes with the suggestion that prevention work in the field of right-wing extremism should include family workshops, including, in particular, fathers and sons.

Keywords: right-wing extremist everyday behavior, hierarchic self-interest (HSI), intergenerational transmission, father-son dyad

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Bibliographie: Boehnke, Klaus: Ist Rechtsextremismus „erblich“? Zur Ähnlichkeit rechtsextremer Verhaltenstendenzen von Studierenden und ihren Eltern, ZfF, 3-2017, S. 340-354.
https://doi.org/10.3224/zff.v29i3.05

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