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Die Macht zu gestalten – die Mutterschutzrichtlinie im legislativen Bermuda-Dreieck der Europäischen Union

Petra Ahrens, Gabriele Abels

Abstract


Zusammenfassung

Zum Selbstbild der Europäischen Union (EU) gehört, dass sie sich als gleichstellungspolitisch progressive Polity sieht. Es wird allerdings vielfach bezweifelt, dass diese Selbsteinschätzung auch den Praxistest besteht. In der letzten Dekade sind die gleichstellungspolitischen Aktivitäten – zumindest in legislativer Hinsicht – marginal gewesen. Der Beitrag untersucht die Mutterschutzrichtlinie (Mutterschutz-RL) von 1992 und die Bemühungen der letzten Jahre, diese zu reformieren. Diese Reform scheiterte 2015 mit dem Rückzug des Richtlinienvorschlags durch die EU-Kommission. Mit Hilfe des Verfahrens der Prozessanalyse wird der legislative Vorschlag und der Gesetzgebungsprozess hinsichtlich der Gestaltungsoptionen durch die legislativen Institutionen Europäische Kommission, Rat der EU und Europäisches Parlament untersucht. Im Ergebnis zeigt sich, dass mehr Kompetenzen für eine zentrale Gleichstellungsakteur*in – hier das EP und insbesondere der FEMM-Ausschuss – nicht ausreichen, um Fortschritte in diesem Politikfeld durchzusetzen. Das Beispiel verweist auf die sich in der letzten Dekade veränderten politischen Opportunitäten für Gleichstellungspolitik. Auch für die Zukunft sind hier im Bereich „hard law“ keine Fortschritte zu erwarten.

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The power to (re-)design – the maternity leave directive in the legislative Bermuda triangle of the European Union

Abstract

The European Union identifies itself as a progressive gender equality polity. Many observers question if this self-image stands the test run. The last decade has hardly seen any legislative progress in the field of gender equality. The contribution focuses on the so-called maternity leave directive as of 1992 and the recent attempts to reform the directive. This reform came to an end when the European Commission withdrew its proposal for a directive in 2015. Employing process tracing, we investigate the legislative proposal and the ‘ordinary legislative procedure’ with regards to the question of the (re-)design options for the EU actors involved, i.e. the Commission, the Council of the EU and the European Parliament. Our analysis illustrates that the enhanced competencies for key equality actors – in this case, the European Parliament and its FEMM committee for women’s rights and gender equality – were not sufficient to achieve real progress in this field. The case study exemplifies the changing opportunity structures for gender equality over the last decade. We assume that we will not see real ‘hard law’ progress in the near future.

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Bibliographie: Ahrens, Petra/Abels, Gabriele: Die Macht zu gestalten – die Mutterschutzrichtlinie im legislativen Bermuda-Dreieck der Europäischen Union, Femina Politica, 1-2017, S. 39-54.
https://doi.org/10.3224/feminapolitica.v26i1.03

Literaturhinweise



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